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Kosten und Verträge

Kosten und Verträge

Junge mit leerem Sparschwein
Smartphones Ohne Kostenkontrolle ist schnell mal das Taschengeld weg. (Foto: LMZ BW)

Einleitung

Ginge es nach den Wünschen unserer Sprösslinge, dann hätten sie alle ein iPhone oder ein vergleichbares Smartphone. Um diesen Wunsch erfüllen zu können, muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Mit Apples Kult-Handy entstehen innerhalb der ersten beiden Nutzungsjahre je nach Vertrag und Datentarif Kosten zwischen 1000 Euro und 2300 Euro (Broschüre "Mobil ins Netz", S. 18-19). Der Neupreis des reinen Gerätes liegt bei ca. 600 Euro. Manche dürften sich so etwas zur Konfirmation oder unter den Weihnachtsbaum wünschen. Doch mit einem Taschengeld von durchschnittlich 27 Euro im Monat (Artikel "Mehr Geld fürs Lustige Taschenbuch" FAZ-Online) können Jugendliche kaum die Folgekosten tragen.

Kosten entstehen aber nicht nur durch die Abbezahlung des Gerätes, sondern auch durch Anrufe, SMS, Daten (Internet, Email), Services des Mobilfunkbetreibers (Rechnung per Brief, Sperrung der Karte, neue SIM-Karte, etc.) Kaufen von Apps und Zubehör. Für Kinder und Jugendliche ist die Gesamtheit der Kosten schwer nachvollziehbar. Der unbedachte Umgang mit dem Handy führt leider dazu, dass Jugendliche sich in zunehmenden Maß verschulden. 

Prepaid-Karten

Viele Eltern gehen deshalb auf Nummer Sicher und lassen ihre Kinder nur mit einer Prepaid-Karte telefonieren. Die Kinder verfügen so über einen klar definierten Betrag und können wenn die Karte leer ist, jederzeit angerufen werden. Dennoch kann eine Prepaid-Karte zur Schuldenfalle werden. Denn rein rechtlich handelt es sich bei einer Prepaid-Karte auch um ein Vertragsverhältnis und oft muss eine Bankverbindung angegeben werden. Wer etwa im Ausland SMS schreibt, dort eine Internetverbindung aufbaut oder Sonderdienste wie Televoting oder 0180er-Nummern benutzt, riskiert, seine Prepaid-Karte negativ zu belasten (Artikel "Kostenfalle Prepaid-Handy" heise online). Die "Null-Guthaben-Sperre" zeigt dann keine Wirkung, da zeitversetzt abgerechnet wird und nicht geprüft wird ob noch Guthaben auf der Karte ist. Es empfiehlt sich daher, Sonderdienste und Auslandsnutzung im Voraus deaktivieren zu lassen. Besonders Vorsicht geboten wird bei der Option, die Karte automatisch aufladen zu lassen. Bei unbedachter Internutzung im zu teuren Tarif hat schon mancher ein finanzielles Debakel erlebt. Sich in Sicherheit zu wiegen und auf die deutsche Rechtsprechung zu verlassen, ist nicht empfehlenswert.

Ganz kritische Eltern könnten per PIN2-Nummer die vom Handy erreichbaren Rufnummern beschränken, den Internetzugang sperren und den Versand von SMS unterbinden. Noch effektiver sind spezielle Karten für Kinder, bei denen Sonderrufnummern von vornherein gesperrt sind, wie die CallYa JuniorKarte oder die T-Mobile CombiCard. 

Tipp: Mit der PIN2-Nummer lässt sich der Internetzugang sperren. Evtl. auch SMS unterbinden, in dem man die Nummer der Kurzmitteilungszentrale löscht und die erreichbaren Rufnummern beschränkt. Keine Aufladefunktion aktiviert lassen! Im Ausland das Telefon und Mailbox ausschalten.

Abo-Fallen, Premium-SMS und WAP-Billing

"Hol dir den super-coolen Klingelton/das angesagteste Logo kostenlos auf dein Handy!" oder "Hole dir den Handy-Nackt-Scanner aufs Handy". So oder ähnlich lauten die Versprechen der Klingelton- und Download-Anbieter. Bei der Bestellung wird aber entweder per Premium-SMS bezahlt oder ein Abo-Vertrag geschlossen. Für ein Jamba-Abo werden bis zu 4,99 Euro pro Woche abgebucht und eine Premium SMS kann bis zu 10 Euro kosten. 

Um Klingelton-Anbieter wie Jamba und Co ist es aber stiller geworden. Mittlerweile laden sich Smartphone-Besitzer die Musik-Dateien selber auf ihr Gerät.http://www.kindermedienland-bw.de/typo3/#_ftn4 Gewinnträchtige Unternehmen haben aber ein neues Schlupfloch entdeckt: Apps. Viele Apps werden als abgespeckte Gratis-Version angeboten. Dafür sind sie voller Werbung: es blinken an jeder Ecke eingeblendete Werbe-Banner. Und da die Navigation per Finger nicht einfach ist, vertippt man sich leicht und klickt auf den Werbe-Banner. Einige Apps sind so konstruiert, dass durch das Antippen des Werbebanners sofort ein Bezahl-Prozess angestoßen wird. Entweder wird eine Premium-SMS versandt oder per WAP-Billing erscheinen Kosten auf der nächsten Handy-Rechnung.

Tipp: Erkundigen Sie sich, ob man bei Ihrem Mobilfunkanbieter Sonderdienste, Premium-SMS und WAP-Billing sperren lassen kann. Bei manchen Anbietern geht das einfacher, bei anderen ist es umständlicher bzw. die Sperre schließt nicht alle Dienste aus. Die Sperrung für WAP-Billing wird bei der Telekom-Hotline "Sperrung für Drittanbieter" und bei Vodafone "Sperrung für mobiles Bezahlen" genannt.

Lockanrufe, Gewinn-SMS, R-Gespräche

Schon in die Jahre gekommen aber immer noch praktiziert wird folgender Trick: das Handy klingelt nur einmal. Dann Stille. Nanu, wer wollte mich denn da erreichen? Ich könnte ja mal zurückrufen. Wer dies tut und eine 0900- oder eine 0137-Nummer erwischt, bekommt dafür meist die (saftige) Rechnung präsentiert. Denn hinter diesen beiden Nummern verbirgt sich leider oft reine Abzocke. Was früher die 0190-Nummern waren, ist nun durch 0900 oder 0137 ersetzt worden. Bis man merkt, dass man in einer automatischen Warteschleife hängt, ist der Gebührenzähler schon kräftig gelaufen. Ein, zwei oder dreißig Euro können da schnell zusammen kommen. 

Ganz ähnlich funktioniert die Masche mit der Gewinn-SMS: "Du hast einen Traum-Urlaub, dein Traumauto oder 5000 Euro in bar gewonnen, melde dich unter..." Dann folgt oft wieder eine fünfstellige Nummer, an die man zurück simsen soll. Diese "Premium-SMS" ist wiederum beim Preis etwas ganz besonderes, sie kostet gerne mal 1,99 Euro oder mehr. 

Tipp: Am besten nur auf Nummern antworten, die man kennt. Die meisten Handys zeigen bei Eintippen der Nummer an, ob im Telefonbuch ein Eintrag steht. Die dubiose Nummer bei der 0900er-Suchmaschine der Bundesnetzagentur oder bei www.tellows.de eingeben, kann Aufschluss über den Anrufer bieten.

Schuldenfalle "Handy-Vertrag"

Eine Bankverbindung, ein Personalausweis und keinen Negativ-Eintrag bei der Schufa: mehr muss ein erwachsener Jugendlicher nicht nachweisen, um einen Handyvertrag abzuschließen. Und weil Smartphones oft für Null Euro angeboten werden ist die Verlockung umso größer. Dass dahinter aber immer ein 2-Jahres-Vertrag mit monatlicher Grundgebühr von bis zu 50 Euro steckt, scheint viele Jugendliche nicht abzuschrecken. Auf einen Schlag hat man 1200 Euro ausgeben ohne nur eine einzige SMS verschickt zu haben. Es wundert also nicht, dass Handyausgaben eine der Hauptursachen für Verschuldungen bei unter 25-jährigen sind. Zwar ist jeder 18-jährige unbeschränkt geschäftsfähig, der Umgang mit laufenden Kosten muss aber erst erlernt werden. 

Tipp: Damit Jugendliche die Übersicht über ihre Ausgaben behalten, bietet der Sparkassenverband einen Taschengeldplaner für Handys an. Damit lassen sich natürlich auch die Kosten für das Mobiltelefon überwachen. Den Taschengeldplaner kann auf der Internetseite der Sparkasse heruntergeladen werden.

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