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Digitale Spiele

Digitale Spiele

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Spielekonsolen Knapp zwei Drittel aller Jungs und fast ein Viertel aller Mädchen spielen regelmäßig digitale Spiele. Worauf Eltern achten sollten.

Einleitung

Die 37 Grad-Folge "Rebellion im Kinderzimmer" vom 16. April 2013 zeigt eindrucksvoll, wie Spielekonsolen zu Konflikten im Familienalltag führen. Vier Töchter tanzen vergnügt zur Tanzsoftware vor ihrer Nintendo Wii-Konsole. Die Einstiegsszene der Dokumentation hat nur einen Haken. Die Eltern hätten gerne anstatt der Tanzeinlagen ein aufgeräumtes Kinderzimmer gesehen. Der Familienvater schreitet ein, ruft "Kiste aus, ab jetzt!" und eine ZDF-Redakteurin resümiert aus dem Off : "Eltern die nur das Beste von und für ihren Nachwuchs wollen …".

Digitale Spiele sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung von Kindern, aber auch von Erwachsenen. Zwei Drittel aller Jungs und fast ein Viertel aller Mädchen im Alter von 12 bis 19 Jahren spielen mehrmals wöchentlich und dies häufig  ohne Begleitung der Eltern. Drei Viertel aller Familien verfügen über eine Spielekonsole, bei der Mehrheit steht diese im Kinderzimmer. Eltern versuchen zwar gewöhnlich die Dauer sowie die Art der Spiele zu reglementieren, doch dies gelingt laut Umfragen nur mit mäßigem Erfolg. So behaupten zwei Drittel aller Jugendlichen, dass sie Freunde haben, die auch besonders brutale Spiele nutzen. Eltern, die zusammen mit ihren Kindern am Computer spielen, bilden eher die Ausnahme: Nach Erkenntnissen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes verbringen nur vier Prozent der Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Zeit vor Playstation und Co.

Die allermeisten Eltern sehen keine Möglichkeit, Computerspiele komplett zu verbieten, denn Verbote steigern nur die Neugierde an den Computerspielen und führen dazu, dass heimlich oder bei Freunden „gezockt“ wird. Gerade für männliche Jugendliche gehören Computerspiele zum Alltag. Browser-Games, die mit jedem Internet-Browser (Internet Explorer, Firefox etc.) funktionieren, sowie Spiele für Smartphones oder Tablets machen es allerdings noch wichtiger, dass sich Eltern mit dem Thema auseinander setzen. Erziehung sollte dabei zum Ziel haben, dass Kinder langfristig selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit Medien umgehen lernen.

Auswahl von Technik, Spielen und Standort

Unter Jugendschutz-Kriterien die geeignete Konsole auswählen

Als Eltern haben Sie viele Möglichkeit das Computerspielen Ihrer Kinder zu gestalten. Wenn es um den Kauf der Spielekonsole geht, dann lassen sich Eltern manchmal von den Kindern beraten. Aber nicht jede Konsole ist unter Aspekten des Jugendmedienschutzes gleich empfehlenswert. Kinder orientieren sich bei der Entscheidung am Freundeskreis. Eltern sollten aber wissen, dass man je nach Gerät den Jugendschutz unterschiedlich gut oder schlecht technisch einstellen kann. Auch das Spieleangebot variiert je nach Gerät. So gibt es für die Nintento Wii deutlich mehr kindgerechte Titel, als für eine Sony Playstation 3. 

Geeigneten Standort für das Gerät auswählen

Ist die Konsole eingekauft, so stellt sich die Frage, an welchem Ort man sie aufstellen sollte. Gerade bei Kindern im Grundschalter, sollte die Konsole da stehen, wo Eltern sie im Blick behalten können - also besser im Ess- oder Wohnzimmer anstatt im Kinderzimmer. Auf diese Weise können Eltern Einfluss darauf nehmen was und wie lange gespielt wird.

Bei mobilen Geräten den Umgang damit reglementieren

Bei mobilen Geräten wie der Sony Playstation, einem Smartphone oder einem Tablet-PC haben es Eltern viel schwerer zu überprüfen, was damit gespielt wird. Die Versuchung heimlich oder bei Freunden auch nicht altersgerechte Spiele zu spielen, ist für Kinder besonders groß. Dagegen helfen nur klare Absprachen und Regeln, deren Einhaltung überprüft werden müssen, etwa wenn es darum geht, welche Spiele gespielt werden oder wo die mobilen Geräte nach der Schlafen-Gehens-Zeit aufbewahrt werden. 

Jugendschutz aktivieren

Mit Spielekonsolen kann man wie mit einem PC auch Internetseiten aufrufen. Eine tragbare Nintendo DSi etwa verfügt über einen eingebauten Internetbrowser mit dem sich Kinder im Internet bewegen können – vorausgesetzt sie stellen eine Verbindung mit dem heimischen Router her.

Deswegen sollten Eltern direkt nach der Anschaffung einer Konsole die Jugendschutzeinstellungen aktivieren. Diese sind je nach Gerät unterschiedlich bedienbar. Bei Microsofts Xbox kann man sogar einstellen wie lange einzelne Familienmitglieder pro Tag oder pro Woche spielen dürfen. Wie Eltern die Einstellungen vornehmen können, wird auf folgenden Seiten beschrieben:

Jugendschutz auf der Xbox 360

Jugendschutz bei der PlayStation 3

Jugendschutz bei der Nintendo Wii

Jugendschutz auf der PlayStation Portable

Jugendschutz bei der Nintendo 3DS (Video)

Doch Vorsicht ist geboten, da Jugendschutzeinstellungen nur begrenzt wirksam sind. So kursieren im Internet Anleitungen und „Knack-Programme“ um die Jugendschutzeinstellungen wieder aufzuheben.

Bei Smartphones und Tablets sollte man sich gezielt mit den Systemeinstellungen auseinandersetzen, um die Geräte kindersicher zu machen. Was Eltern tun müssen, um ihr Smartphone oder Tablet  kindgerecht zu konfigurieren, beschreibt unser Artikel "Kinderschutz/Filter-Apps"

Empfehlungen und Alterskennzeichen von Spielen beachten

Beim Kauf neuer Software sollte man immer die farbig gekennzeichnete Altersempfehlung auf der Packung beachten:

Alterskennzeichnungen USK

Mehr Informationen dazu sowie eine Spielesuche anhand von Altersfreigaben findet man auf www.usk.de. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (kurz USK) bietet aber keine pädagogischen Empfehlungen, sondern nur Einschätzungen für die Alterstauglichkeit. In großen Familien lohnt es sich, alle Familienmitglieder für die Altersfreigaben zu sensibilisieren. So sollten ältere Geschwister darauf achten, dass die jüngeren Geschwister bei Computerspielen für Ältere nicht anwesend sind. Auch Verwandte sollte sich bei Spielgeschenken an die Altersfreigaben halten.

Eltern sollten sich informieren und sich für die Spielevorlieben ihrer Kinder interessieren.  So können sie aktiv das Spielgeschehen mitgestalten. Mittlerweile findet man im Netz ausführliche  Beschreibungen empfehlenswerter und altersangemessener Spiele. Zum Beispiel auf

www.spieleratgeber-nrw.de

www.spielbar.de

www.internet-abc.de/kinder/spiele-suchen.php

Nicht zuletzt sollten Eltern immer darauf hinweisen, dass illegale Kopien nichts auf heimischen Geräten zu suchen haben und beim Umgang mit Urheberrechten Vorbilder sein. Wenn Eltern bspw. illegal kopierte Film-DVDs tolerieren oder selber nutzen, wird es danach schwer sein, raubkopierte Computerspiele verbieten zu wollen. Bei Raubkopien ist auch das Risiko höher, dass sich darunter jugendgefährdende Materialien befinden.

Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern

Eltern sind nicht allein. Gerade im Erfahrungsaustausch mit anderen Familien können sie eine Menge lernen. Nachfragen bei anderen sowie ein Austausch über die neuesten Tipps und Tricks hilft weiter. Was in anderen Familien praktiziert wird, muss ja nicht zum eigenen Maßstab werden, es kann aber aufzeigen, wo man selbst noch nachbessern kann bzw. was man schon richtig macht.

Begleitung bei der Nutzung von Computerspielen

Gemeinsam spielen

Nach aktuellen Umfragen spielen nur knapp vier Prozent aller Eltern zusammen mit den Kindern am Computer. Eltern sollten aber wissen, was ihre Kinder spielen, warum sie das eine oder andere Spiel so toll finden und sie sollten mit den Kindern gemeinsam Regeln festlegen. Dazu ist es sinnvoll, wenn sich Eltern erklären lassen, wie ein Computerspiel funktioniert und vielleicht auch selbst einmal mitzuspielen. Das ist für Erwachsene sehr lehrreich und Kinder werden sich wiederum wertgeschätzt fühlen, wenn das Interesse ernst gemeint ist.

Über Medien reden

Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Eltern selten mit ihren Kindern über Computerspiele sprechen. Das vertrauensvolle Gespräch ist aber das A und O auch in der Medienerziehung. Wie oben erwähnt, fühlen sich Kinder wertgeschätzt, wenn sie ihr digitales Spiel vorführen, erklären und auch bewerten dürfen. Zum anderen kann man in solch einem Gespräch Regeln aushandeln und vereinbaren. Je älter das Kind, umso eher kann es in die Entscheidungen einbezogen werden. Regeln, die von Kindern selber aufgestellt oder im Gespräch vereinbart werden, finden höhere Akzeptanz als Regeln, die vorgegeben werden.

Vorbild sein

Eltern sind im Medienverhalten Vorbilder. Wenn Eltern während der Mahlzeiten mit dem Smartphone beschäftigt sind, gibt das ein klares Signal an die Kinder, dass dieser Umgang auch für sie selbst ok ist. Wenn der Fernseher den ganzen Tag läuft, verstehen Kinder kaum, warum sie ihn nicht auch ausgiebig nutzen dürfen. Töchter und Söhne orientieren sich am Medienkonsum ihrer Eltern, daher lohnt es sich, das eigene Mediennutzungsverhalten zu reflektieren.

Alternativen anbieten

Computer, Smartphone und virtuelle Welten sind nur eine von vielen Möglichkeiten die Welt zu erschließen, Freundschaften zu pflegen oder Abenteuer zu erleben. Eltern sollten darauf achten, dass nicht nur die technischen Varianten den Alltag der Kinder prägen. Die Freude am Malen, Musizieren, Basteln, Kochen oder Bergsteigen muss Kindern und Jugendlichen vorgelebt und ermöglicht werden.

Auf Warnsignale achten

Ob beim Computerspielen ein gesunde Maß überschritten wird, lässt sich nicht immer exakt ermitteln. Häufen sich aber folgende Symptome, sollte überprüft werden, ob die Computerspiele Ursache sind:

  • Einseitigkeit in der Freizeitgestaltung
  • Langfristige Verschlechterung der Schulleistungen
  • Nervosität, Gereiztheit oder Antriebslosigkeit
  • Vernachlässigung von Freundschaften und häuslichen Pflichten
  • Kopfschmerzen oder Augenermüdung

Bei Verdacht macht ein sofortiges Verbot der Spiele nicht unbedingt Sinn. Gerade wenn ein Spiel neu angeschafft wurde, kann es anfänglich zu einem oder mehreren der genannten Symptome kommen, die nicht automatisch auf problematische Computerspielnutzung hinweisen. Verfestigen sich aber diese Erscheinungen, sollten sich Eltern fragen, was hinter dem überhöhten Medienkonsum steckt. Einsamkeit oder schwaches Selbstbewusstsein kann vielfach nichtdurch Medienverbote aufgelöst werden. Hilfreicher als neue und strengere Regeln sind oft eine verstärkte Zuwendung und Aufmerksamkeit für das Kind, verlässliche Gesprächsbereitschaft und das Angebot von gemeinsam alternativ verbrachter Zeit.

Setzen von Regeln und zeitlichen Grenzen

Regeln und Zeitliche Grenzen

Sobald Kinder Technik benutzen – egal ob Schere oder Playstation – tun sie dies im Vertrauen darauf, dass sie das dürfen. Welcher Umgang mit Schere oder Computerspielen erwünscht ist, geben Eltern direkt (durch mündliche Vorgaben oder Tadel) oder indirekt (durch das eigene Vorbild) vor. Je klarer und direkter dabei kommuniziert wird, desto eher können sich Kinder an Vorgaben halten. Beim Aufstellen von Regeln sollten Eltern auch die Gesprächssituation selbst im Blick haben:

  • räumliche Nähe herstellen (Blickkontakt, Körperkontakt),
  • Ablenkungen vorher verringern (Fernseher oder PC vorher ausschalten),
  • Vorgaben positiv formulieren (statt "Spiel bitte nicht so lange…" besser "Du darfst bis …spielen, danach machen wir etwas anderes"),
  • angemessene Konsequenzen parat haben, wenn die Regeln nicht befolgt werden,
  • dabei nachvollziehbar sein (z. B. Wochennutzungszeiten verständlich erklären).

Zu den Regeln gehören Vorgaben,

  • was gespielt werden darf. Sollten Kinder von Freunden Spiele ausleihen, sollte vorher definiert werden, welche Spiele akzeptabel sind und dass Altersfreigaben eingehalten werden müssen. Gerade bei Online-Spielen sollten Eltern genau hinschauen, da herkömmliche Alterskennzeichnungen oder Sperrfunktionen von den Anbietern nicht angewandt werden. Auf einschlägigen Internetseiten werden neben kindlichen Geschicklichkeitsspielen auch blutige Ego-Shooter ohne Altersverifizierung angeboten. Meist reicht für die Registrierung eine E-Mail-Adresse aus sowie der Klick auf „Ja, ich bin schon über 16“. Hier gilt es also zu vereinbaren, auf welchen Seiten Online-Spiele genutzt werden dürfen.
  • wie lange gespielt werden darf. Bei Grundschülern etwa sollte man eine Tagesnutzungszeit vereinbaren. Darüber hinaus sollte definiert werden, zu welcher Tageszeit gespielt werden darf: zum Beispiel nach Erledigung der Hausaufgaben oder am Wochenende am Vormittag. Ein actiongeladenes Spiel kurz vor dem Zu-Bett-Gehen halten viele Experten für sehr ungünstig. Bei älteren Kindern macht ein Wochenzeitkonto Sinn. Bei der Definition der Nutzungszeiten kann man ältere Kinder stärker einbeziehen und mit ihnen gemeinsam durchgehen, welche Dinge im Laufe der Woche erledigt werden müssen und daher eine mögliche Spielzeit einschränken. Sie können dabei langfristig lernen, welches Maß an Computerspielen sich mit ihren anderen Aktivitäten verträgt. Eltern sollten beobachten, ob die Zeiten eingehalten werden und gegebenenfalls die Zeiten anpassen. Ein Zeitkonto macht nur dann Sinn, wenn alle Medienarten darin berücksichtigt werden. Alternativ zum Zeitkonto bietet sich ein Punktekonto an. Pro Woche dürfen Kinder z. B. für 7 Punkte jeweils einer Medienaktivität nachgehen: einmal ein Spiel spielen, einmal einen Film anschauen, einmal im Internet surfen, usw.
  • dass Computerspiele dürfen die Hausaufgaben oder Mahlzeiten zeitlich nicht beeinträchtigen dürfen. Klare Prioritäten sollten von den Eltern eingefordert werden.

Regeln schriftlich festhalten

Gerade bei Wochenzeitkonten und komplexeren Regeln kann das gemeinsame Aufschreiben hilfreich sein. Das schriftliche Festhalten verhindert im Nachhinein sinnlose Diskussionen, die mit „Du hast aber gesagt, dass …“ beginnen. Das Aufschreiben soll aber nicht zum schriftlichen Knebel verkommen, sondern eine Grundlage zum Dialog bzw. zum gemeinschaftlichen Aushandeln der Regeln bieten. Das gemeinsame Aufschreiben kann auch helfen, dass Kinder aufmerksamer über den Sinn und Zweck der Bestimmungen nachdenken und gegebenenfalls konstruktiv mitbestimmen.

Konsequent sein

Vorgaben und Regeln machen nur dann Sinn, wenn kontrolliert wird, ob sie eingehalten werden. Kinder sollen merken, dass sowohl das Einhalten als auch das Nicht-Befolgen Konsequenzen hat. Beim Einhalten von Vorgaben nimmt das Vertrauen der Eltern zu und Regeln können flexibler gehandhabt werden. Überschreiten von Regeln könnte das zeitweise Verbot bzw. Verschließen eines Computerspiels nach sich ziehen. Strafen sollten mit dem Kind vorher abgesprochen sein und einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Vergehen haben: verursacht ein Kind etwa durch das Spielen eines Browser-Games trotz vorheriger Warnung eine Abbuchung vom Handykonto, so kann das vom Taschengeld wieder einfordert werden. Grundlegend sollten Eltern aber vermeiden, Medien als Belohnung oder zur Bestrafung einzusetzen. Dies könnte zur Folge haben, dass Kinder ein unnötig gesteigertes Interesse am Computerspiel entwickeln.

Medienpädagogische Beratungsstelle

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema "Computerspiele" haben, rufen Sie die medienpädagogische Beratungsstelle an:
(0711) 2850-777
beratungsstelle@lmz-bw.de

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