Baden-Württemberg Kindermedienland

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Jugendschutzsoftware | Was bringt die eigentlich?

Jugendschutzsoftware

PC Technik kann Sie bei der Medienerziehung unterstützen. Sie kann aber nicht Erziehung ersetzen.

Viele Eltern und auch Lehrkräfte interessiert es, wie sie kontrollieren können, auf welchen Internetseiten die Kinder unterwegs sind. Ihr Wunsch ist Kinder vor den Gefahren des Internets zu bewahren. Eine zweifellos wertvolle Hilfe kann Jugendschutzsoftware bieten. Eltern und Erziehende sollten daher die Möglichkeiten, die Jugendschutzsoftware bietet, nutzen und damit für mehr Sicherheit von Kindern im Internet sorgen. Gleichzeitig müssen sich Eltern allerdings klar machen, dass es durch diese Programme keinen vollständigen Schutz gibt. Daher ersetzen diese Programme nicht das Gespräch und die Absprachen. Eltern sollten

  • klare Absprachen hinsichtlich der Surfziele und der Surfzeit treffen,
  • ihre Kinder bei der Internetnutzung nicht alleine lassen,
  • die Absprachen kontrollieren und u.a. mithilfe von Jugendschutzsoftware durchsetzen.

Die Initiative Kindermedienland will Eltern dabei helfen und erklären,

Wozu benötige ich überhaupt eine Jugendschutzsoftware?

Eltern müssen ihre Kinder beim Umgang mit dem Internet und Computer begleiten. Dabei können sie ihnen zeigen, wie man Smartphones und PCs auch gestalterisch einsetzen kann. Eltern sollten darüber hinaus die Risiken und Gefahren ansprechen, um bei den Kindern ein Problembewusstsein heranzubilden. Da Kinder nur langfristig lernen, welche Inhalte ihnen schaden und wie sie sich davor schützen können, muss die Ausprobierphase mithilfe einer Jugendschutzsoftware flankiert werden. Jugendschutzsoftware bietet Schutz vor

  • problematischen Inhalten,
  • ungewollten Kontakten,
  • Werbung und Abzock-Angeboten,
  • unkontrolliertem Nutzungsverhalten bzw. kritischen Nutzungszeiten.

Eine Jugendschutzsoftware hat jedoch nur unterstützenden Charakter und ist als alleiniger Schutz ungeeignet.

Was kann eine Jugendschutzsoftware?

Damit Kinder nicht gewollt oder ungewollt auf für sie ungeeignete Inhalte gelangen, blockiert das Jugendschutzprogramm solche Seiten. Je nach Einstellung zeigt das Programm eine Warnung an oder leitet auf eine neutrale Seite weiter. Bei manchen Programmen können Eltern auch nachschauen, welche Seiten ihr Nachwuchs öffnet und wie oft.

Nicht nur von Internetseiten gehen Gefahren aus. Auch per SMS, Messenger, WhatsApp oder Facebook erhalten Kinder Beleidigungen und jugendgefährdende Inhalte. Um das zu vermeiden, bieten einige Jugendschutzprogamme die Möglichkeit an, bestimmte Kontakte zu blockieren oder WhatsApp und andere Messenger zu sperren.

Eltern wollen auch verhindern, dass ihre Kinder zu lange vor dem Computer sitzen oder sich spätabends mit dem Smartphone beschäftigen. Gerade vor dem Einschlafen kann ein aufwühlendes Bild oder Video eine starke Wirkung haben. Deshalb sollten Eltern Regeln aufstellen, von wann bis wann die Geräte eingeschaltet sein dürfen oder wo das Handy oder Smartphone nachts aufbewahrt wird (z.B. außerhalb des Kinderzimmers). Um dies zu untermauern können sie mit einem Jugendschutzprogramm festlegen, ab wann die Internetverbindung gekappt wird. Eltern sollten mit ihren Kindern reden und deutlich machen, dass es nicht darum geht sie zu gängeln, sondern darum sie vor Gefahren der Internetnutzung zu bewahren.

Welche Technik steckt dahinter?

Mithilfe von Filtern erkennt eine Jugendschutzsoftware, welche Seiten für Kinder geeignet sind und welche nicht. Als Filter werden sogenannte Positiv- und Negativlisten eingesetzt. In einer Negativliste (Blacklist) stehen alle Seiten, die blockiert werden müssen, z. B. Pornoseiten oder Glücksspielseiten. In den Positivlisten (Whitelists) stehen alle Seiten, die ein Computer gefahrlos öffnen darf. Dazu zählen Kinderseiten wie fragfinn oder KIKA. Die Listen werden vom Softwarehersteller regelmäßig überarbeitet und aktualisiert.

Das folgende Video erklärt die Funktionsweise von Jugendschutzprogrammen:

Wie sehen rechtlichen Rahmenbedingungen für Jugendschutzprogramme aus?

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) sorgt für die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen und fördert im Rahmen der „regulierten Selbstregulierung“ (KJM) die Selbstverantwortung der Anbieter. Auf Grundlage des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags bewertet die KJM die existierenden Jugendschutzprogramme. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertag schreibt in §11 vor, dass Jugendschutzprogramme einen nach Altersstufen differenzierten Zugang ermöglichen müssen. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben hat die KJM Kriterien für die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen entwickelt. Die KJM prüft u. a. ob

  • der Hersteller die kontinuierliche Anpassung des Programms an den Stand der Technik gewährleistet.
  • die Software einen altersgerechten Zugang ermöglicht und standardisierte maschinenlesbare Altersklassifizierungen (Label) auslesen kann.
  • Eltern die Möglichkeit haben, den Filter auszuschalten, zu konfigurieren und durch eigene Listen mit Internetadressen zu ergänzen.
  • das Jugendschutzprogramm bei entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten eine hohe Blockade-Zuverlässigkeit von derzeit mindestens 80 % aufweist.

Welche Vor- und Nachteile haben Jugendschutzprogramme?

Die Programme haben mehrere Vorteile. Sie schützen vor einer großen Anzahl problematischer Seiten und unterbinden bei entsprechenden Einstellungen die Nutzung unerwünschter Software bzw. Apps. Ein Teil der Programme sorgt auch für mehr Transparenz bei der Computernutzung. Eltern können nachvollziehen, welche Angebote die Kinder zu welchen Zeiten aufgerufen haben. Bei unangemessenen Inhalten oder kritischen Nutzungszeiten können Eltern schneller eingreifen und das klärende Gespräch suchen. Das ist langfristig sicher wirkungsvoller, als das bloße Verbieten und Blockieren der Seiten. Computer- und Internetzeiten gemeinsam festzulegen, mindert darüber hinaus das familiäre Konfliktpotenzial. Dadurch lernen Kinder ihre Nutzungszeiten einzuschätzen und zu reflektieren.

Eine Jugendschutzsoftware bietet leider keine hundertprozentige Sicherheit. Die Programme sperren i.d.R. nur solche Seiten, die in einer der Filterlisten stehen bzw. das entsprechende Alters-Label haben. Neugierige Kinder, die Zeit zum Ausprobieren haben, können auf Seiten gelangen, die noch in keiner Filterliste eingetragen wurden.

Wie kann man verhindern, dass eine Jugendschutzsoftware ausgehebelt wird?

Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen, die erklären, wie man die Programme mit wenigen Klicks umgeht oder gar abschaltet. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gibt sogar zu bedenken: „Einen Rundum-Sorglos-Schutz können technische Schutzmaßnahmen nie bieten. Sie sind deshalb kein Ersatz dafür, Kinder im Internet zu begleiten“.

Eltern sollten deshalb den Kindern die Benutzerrechte am PC einschränken bzw. niemals mit Administrator-Rechten ausstatten. Ganz versierte Jugendliche können versuchen das Betriebssystem mit dem „abgesicherten Modus“ zu starten. Auch dies kann mit ein wenig Fachwissen verhindert werden. Ein paar Jugendschutzprogramme funktionieren auch im „abgesicherten Modus“.

Technisch versierte Jugendliche werden aber immer einen Weg finden, eine Sperre auszuhebeln oder ein Gerät zum Laufen zu bringen. Besser als technische Maßnahmen, sind klare Regeln, die auch mit Ausdauer eingefordert werden müssen.

Wie kann man mehrere PCs gleichzeitig schützen?

Bei einer Familie die nur über einen PC verfügt, bleibt der Arbeitsaufwand um das Jugendschutzprogramm einzurichten überschaubar. Wenn ein Haushalt aber über mehrere Smartphones, Tablet- und Desktop-PCs verfügt, müsste auf jedem Gerät die Software einzeln installiert und konfiguriert werden. Der Zeitaufwand nimmt selbstverständlich mit jedem Gerät zu und bringt Eltern zeitlich an ihre Grenzen.

Wenn ein Haushalt über mehrere internetfähige Geräte verfügt, lohnt es sich einen Internet-Router anzuschaffen, der über eine Filtersoftware verfügt. Normalerweise verfügt jeder Haushalt über einen Router. Dies ist ein kleiner Kasten, durch den alle ein- und ausgehenden Daten wie durch eine Türe hindurch müssen. Verfügt diese Türe über eine Schutzvorrichtung bzw. über einen Jugendschutzfilter, werden automatisch alle Geräte im Haushalt abgesichert. Bei den meisten Routern, aber noch immer nicht bei allen, ist es heutzutage möglich einen Jugendschutzfilter zu aktivieren. Dies geschieht über die Konfiguration des jeweiligen Routers. Damit lassen sich beispielsweise Internetzeiten festlegen und Filterlisten miteinbeziehen. Wie das funktioniert, zeigt ein beispielsweise ein Erklär-Video zur Fritzbox. Bei folgenden Router-Herstellern können sie ein Jugendschutzfilter einrichten:

Welche Möglichkeiten des Jugendschutzes gibt es für Smartphones?

Wer seinem Kind ein Smartphone aushändigt, sollte sich vergewissern, ob eine Jugendschutz-App vorhanden ist. Alle gängigen Android-Smartphones werden bislang ohne Jugendschutzprogramm ausgeliefert. Nur alle iPhones lassen sich bereits in der Grundausstattung kindersicher machen. Eltern können bei iPhones u. a. die Nutzung von Browsern und Apps einschränken.

Mittlerweile werden auch für Android-Geräte mehrere Jugendschutz-Apps, wie

angeboten. Beide Apps sind kostenpflichtig.

Welche Lösungen für den Computer gibt es? – Kurzüberblick

Windows Family Safety (http://familysafety.live.com/)

Vorteile

  • bei Windows 8 und 10 vorinstalliert
  • unerwünschte Programme wie Spiele oder Messenger können einzeln gesperrt werden
  • Nutzungszeiten können festgelegt werden
  • Fernwartung möglich
  • kostenlos

Nachteile

  • man muss über ein Microsoft-Konto verfügen

OS X Parental Controls (https://www.lifewire.com/set-up-mac-parental-controls-os-x-lion-later-2260746)

Vorteile

  • bei Mac OS X vorinstalliert
  • unerwünschte Programme können einzeln gesperrt werden
  • E-Mail- und Chat-Kontakte können einzelnen erlaubt werden
  • Kamera und Mikrophon können gesperrt werden
  • Nutzungszeiten können festgelegt werden
  • Kostenlos

Nachteile

  • Apple ID wird benötigt

Salfeld (www.salfeld.de)

Vorteile

  • Filterverhalten kann mit Altersstufen angepasst werden
  • Zeitbudgets können mit TANs erweitert werden (bei guten Schulnoten etc.)
  • unerwünschte Programme wie Spiele oder Messenger können einzeln gesperrt werden
  • Fernwartung möglich
  • schwer zu knacken

Nachteile

  • kostenpflichtig

Weitere Programm-Empfehlungen finden Sie unter klicksafe.de.

Welche Smartphone-Lösungen gibt es – Kurzüberblick?

Norton Family (https://family.norton.com/web/)

Vorteile

  • für einzelne Kinder kann man einzelne Profile anlegen, die Profile lassen sich vom PC aufs Smartphone übertragen
  • über Fernsteuerung können Eltern kontrollieren, welche Seiten ihr Kind wann aufruft
  • Basisfunktion kostenlos

Nachteile

  • Nutzungszeiten können nur in der kostenpflichtigen Version festgelegt werden
  • Apps können nur in der kostenpflichtigen Version einzeln gesperrt werden
  • über die Suchfunktion der Basis-Version kommt man leicht auf explizites Bildmaterial

Salfeld Kindersicherung (https://salfeld.de/kindersicherung)

Vorteile

  • Surfzeiten können festgelegt werden
  • Nutzungszeiten für einzelne Apps wie z. B. WhatsApp können festgelegt werden
  • Eltern können Seiten individuell sperren
  • Fernwartung möglich

Nachteile

  • kostenpflichtig, ab 29,95 Euro pro Jahr

Fazit

Eltern sollten auf jeden Fall eines der Programme auf dem Familien-PC sowie dem Smartphone des Kindes installieren. Nach der Installation sollte gründlich getestet werden, welche Seiten sich trotz Schutzsoftware öffnen lassen. Daraufhin sollten die Einstellungen der Software an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden.

Eltern, die beispielsweise ihr Kind vor der Videoplattform Youtube bewahren wollen, sollten ausprobieren, ob die www.youtube.de oder die Youtube-App trotz Schutzsoftware aufrufbar ist. Sollte dies der Fall sein, so bieten die meisten Jugendschutzprogramme die Möglichkeiten an, die Seite nachträglich in die Filterliste einzutragen oder die App auszuschalten.

Auch von den Zusatzmöglichkeiten, wie dem Sperren von Apps oder der Vergabe von Nutzungszeiten sollten Eltern Gebrauch machen. Die Sperren und Reglementierungen sollten Eltern aber nicht heimlich vornehmen, sondern offen mit den Kindern kommunizieren. Das hat den Vorteil, dass sich die Kinder in ihrer Selbstständigkeit nicht verletzt fühlen. Kinder sind oft auch dankbar, wenn die Eltern sich auch um ihre Internet- und Smartphone-Nutzung kümmern und dafür gemeinsame Regeln aufstellen. So lernen Kinder, ihre Medienzeiten zu reflektieren und anzupassen.

Wenn die Kinder in ihrem technischen Fachwissen schon etwas fortgeschrittener sind, werden sie evtl. versuchen, die technischen Sperren auszuhebeln. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern prinzipiell keine Admin-Rechte für den Desktop-PC verleihen. Ob die Schutzvorrichtungen wirksam sind, sollte regelmäßig überprüft werden. Auch gilt es, die Passwörter für WLAN, PC-User und Schutzsoftware regelmäßig auszutauschen.

Eltern sollten sich aber nicht allein auf die Programme verlassen, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder mit Smartphone und Internet geht. Der beste Schutz vor schwierigem Medienkonsum besteht weiterhin aus einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Eltern und Kindern sowie dem guten Vorbild der Eltern.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet ist eine Daueraufgabe, um die sich einerseits die Ländergemeinschaft (u.a. durch eine Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV)) bemüht. Andererseits nimmt sich gerade Baden-Württemberg durch die Initiative Kindermedienland und auch die Umsetzungsbeschlüsse des Landtages nach dem Amoklauf von Winnenden/Wendlingen mit besonderer Intensität dieser Aufgabe an. Zahlreiche Programme und Initiativen sind so entstanden, die Eltern Lehrkräften und Schülerinnen und Schulen umfassende Hilfen anbieten.

Stand: 18. Januar 2016

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