HERE GOES INVISIBLE HEADER

Medienzeiten | Wie lange dürfen Kinder mit dem Handy spielen?

Medienkonsum Feste Regeln und Zeiten bieten Kindern eine Unterstützung und geben Struktur. Damit ist es aber nicht alles getan.

Medienzeiten: Warum, wie lange Ihr Kind mit dem Handy spielt, nicht die wichtigste Frage ist

Wie lange darf abends auf WhatsApp geschrieben werden? Wie oft darf pro Woche am Computer gezockt werden? Wie viel fernsehen ist erlaubt? Regeln können helfen, das Familienmiteinander zu verbessern und Kindern beim Medienkonsum eine Struktur zu geben. Mit „festen Medienzeiten“ allein ist es aber oft nicht getan.

Wenn es um die Nutzung von Medien geht, beschäftigen sich Eltern oft mit der gleichen Frage: „Wie lange darf mein Kind am Handy spielen, zocken, fernsehen oder auch am Computer für die Schule arbeiten?“. Es gibt viele Beratungsangebote, die auf diese Fragen eine klare Antwort geben. Sie empfehlen die Einhaltung von Mediennutzungszeiten:

Schau-hin.info rät bei Kindern bis 5 Jahre zu Nutzungszeiten von höchstens einer halben Stunde am Stück pro Tag. Bei Kindern zwischen 6 und 9 Jahren bis zu einer Stunde am Stück pro Tag.

Prof. Dr. Norbert Neuss empfiehlt bei Kindern von 4 bis 6 Jahren etwa 20 bis 30 Minuten pro Tag und bei Kindern von 7 bis 10 Jahre etwa 30 bis 45 Minuten pro Tag.

Am strengsten ist der Rat von klicksafe. Erst ab dem Alter von 10 bis 13 Jahren wird hier eine verhandelbare Nutzungszeit von bis zu 60 Minuten am Tag empfohlen. Kinder von 7 bis 10 Jahren sollten nur 30 bis 45 Minuten am Tag gewährt werden.

Feste Medienzeiten haben ihre Tücken

Klare Regeln sind ein wichtiger Aspekt in der Erziehung. Es gibt gute Argumente dafür, Medienzeiten für Kinder zu beschränken. Allerdings ist die Lösung nicht so einfach, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Zu starre Regelungen können Eltern folgende Schwierigkeiten bereiten:

  • Täglich fest vereinbarte Medienzeiten führen oft dazu, dass sie auch täglich genutzt werden. Oft haben Kinder das Gefühl etwas zu verpassen, wenn sie ihre Medienzeit nicht voll ausschöpfen. Vielleicht bietet sich ja an manchen Tagen eine ganz andere Beschäftigung an, auf die dann zugunsten der Medienzeit verzichtet wird.
  • Je nach Ratgeber wird schon einem 5-Jährigen oder erst einem 7-Jährigen pro Tag eine halbe Stunde Mediennutzungszeit eingeräumt. Die Entwicklungssprünge können besonders in dieser Altersgruppe aber sehr unterschiedlich ausfallen und feste Regelungen somit ggf. dem einzelnen Kind nicht gerecht werden.
  • Die Nutzungszeiten einzuhalten stellt Eltern auch vor technische Hürden: Zeitschaltprogramme müssen auf Smartphone, Tablet, PC oder Router installiert werden. Alternativ raten die Autoren zum Einsatz der Eieruhr. Nicht wenige Kinder sind aber in der Lage, die Technik auszutricksen oder täglich um Minuten zu feilschen. Die Einhaltung der Medienzeit wird dann manchmal zum kraftraubenden Dauerkonflikt.  
  • An Schultagen und am Wochenende gelten oft verschiedene Regeln. Auch wenn Hausaufgaben am Computer gemacht werden müssen, sind andere Regeln gefragt. Und wenn ausnahmsweise Fußball-WM ist, dann gelten vielleicht wieder ganz neue Regeln. Dabei sollten sich Eltern auf vielfältige Diskussionen einstellen: Gibt es Ausnahmen, wird oft dauerhaft nachverhandelt.

Daher ist es wichtig, dass Regeln, die Sie vereinbaren, immer eingehalten werden. Beispielweise könnte eine gut umsetzbare Regel lauten: Wenn das Essen auf dem Tisch steht, wird nicht gespielt und das Handy kommt weg vom Tisch. Sehr empfehlenswert ist das gemeinsame Aufsetzen eines Mediennutzungsvertrags. Klicksafe bietet unter mediennutzungsvertrag.de eine flexibel gestaltbare Vorlage an, in der auch Medienzeiten festgelegt werden können.

Regeln für den Medienkonsum funktionieren nur, wenn das Familienklima stimmt

Eindeutig formulierte Regeln bieten einen verlässlichen Rahmen für Kinder und Eltern. Eine Vorgabe, welche Tätigkeiten vorrangig sind und wie viel Mediennutzung pro Tag oder pro Woche akzeptabel ist, führt konsequent angewandt zu einem überschaubaren und planbaren Familienalltag. Solche Regeln sind aber nur dann zielführend, wenn Eltern und Kinder im Allgemeinen eine gute und vertrauensvolle Beziehung pflegen, wenn in der Familie eine gesunde Gesprächskultur herrscht und wenn Eltern mit ihren Kindern ausreichend positiv gestaltete Zeit verbringen. Bevor die Frage gestellt wird „Wie lange darf mein Kind mit Medien …?“ sollte deshalb zuerst überlegt werden „Wie lange kann ich mit meinem Kind …?“. Oder anders ausgedrückt: Die Mediennutzungszeit muss immer im Zusammenhang mit den anderen Tätigkeiten betrachtet werden.

Bevor man „Medienzeiten“ festlegt, „Beziehungszeiten“ anschauen

Medienzeiten sind Zeiten, in denen die Kinder meist wenig Aufmerksamkeit der Eltern einfordern. Dabei darf aber das soziale Miteinander in der Familie nicht außer Acht gelassen werden. Statt nur die „Mediennutzungszeiten“ im Blick zu haben, lohnt es sich im ersten Schritt die in der Familie gelebten „Beziehungszeiten“ anzuschauen:

Gibt es Gelegenheit, dass Kinder in Ruhe von Schule und Erlebtem erzählen können? Haben Sie als Eltern ausreichend Zeit, um auch mal bei den Hausaufgaben zu unterstützen? Wie viel Zeit pro Woche verbringen Sie mit Geschichten vorlesen oder gemeinsamem Spiel? Wie viel Stunden gibt es für gemeinsame Outdoor-Aktivitäten? Oder auch: Wie oft schauen Sie sich zusammen eine Sendung an oder spielen zusammen mit der Spielekonsole? Diese und andere Fragen sollten bei der Festlegung von „Mediennutzungszeiten“ eine Rolle spielen.

Smartphones und Tablets nicht als Babysitter einsetzen

Angesichts der knappen Ressource „Zeit“ bedeutet für viele Eltern die „Mediennutzungszeit“ oder „Bildschirmzeit“ einen wertvollen Entlastungsfaktor, wenn z. B. Haushalt oder ein „Kurzeinkauf“ anstehen. Die Mediennutzung als zeitliche Entlastung für Eltern sollte aber nie zur Dauerlösung werden. Sie kann langfristig sogar falsche Zeichen setzen: Das Kind lernt, die Mediennutzung damit zu assoziieren, dass die Eltern keine Zeit haben. Lenkt sich dann ein Kind durch die Mediennutzung von dem Gefühl der Einsamkeit ab, kann das negative Folgen für seine Entwicklung haben. Verlässliche Beziehungszeiten sind langfristig grundlegender und wichtiger als Medienzeiten. Medienzeiten können nur ein Puzzleteil im Gesamtbild sein.

Wie die Mediennutzung im Familienalltag überdacht werden kann

Folgende Artikel bieten Tipps rund um die Mediennutzung:

Das Landesmedienzentrum bietet mit seiner Medienpädagogischen Beratungsstelle Eltern und Lehrkräften Rat und Unterstützung zum pädagogischen Jugendmedienschutz. Dazu zählen auch Tipps zu Medienzeiten. Die Beratungsstelle ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr erreichbar: unter 0172 / 29 34 311 (Vormittags von 9:00–12:30 Uhr) und 0173 / 54 11 619 (Nachmittags von 12:30–16:00 Uhr).

Medienpädagogische Beratungsstelle

Fragen zu Medienzeiten, Cyber-Mobbing oder Onlinespielsucht? Rufen Sie an:

Mo.-Do. von 9:00 bis 12:30 Uhr 
0172 / 29 34 311

Mo.-Do. von 12:30 bis 16:00 Uhr 
0173 / 54 11 619

Fr. von 9 bis 12 Uhr 
0172 / 29 34 311  Zur Beratungsstelle

Footer