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Onlinespiele | Zeitfresser oder Lernumgebung?

Onlinespiele – Zeitfresser oder Lernumgebung?

Onlinespiele Sind Onlinespiele wirklich für Kinder und Heranwachsende geeignet oder sogar förderlich?

Roblox, Fortnite, Minecraft: Onlinespiele sind aus der Lebenswelt von Heranwachsenden nicht wegzudenken. Insbesondere in Corona-Zeit hat die Nutzung von Onlinespielen zugenommen. Doch sind sie wirklich für Kinder geeignet oder sogar förderlich?

Gründe, warum Kinder von Onlinespielen profitieren können

Im Zusammenhang mit Games wird meistens vor deren Gefahren gewarnt. Onlinespiele bieten dennoch eine Reihe von pädagogischen Chancen für Ihre Kinder – vorausgesetzt, dass der Umgang mit (ausgewählten) Games in ein gesundes Familienumfeld eingebettet ist. Hier ein paar positive Effekte von Onlinespielen:

  • (Fremd-)sprachkenntnisse werden gefördert – für die erfolgreiche Teilnahme an Onlinespielen ist der Austausch über Chats oder Audio-Konferenz relevant. Lese- und Schreibkompetenzen sind nötig.
  • Spiele sorgen für Gesprächsstoff – was Kinder in Spielen erleben, wollen Sie auch mitteilen. Eltern, die gut zuhören können, finden hier eine Goldgrube an Gesprächsthemen.
  • Kompetenzen werden gefordert und gefördert: u. a. Problemlösungskompetenz, Teamwork, Software-Kenntnisse, Hand-Auge-Koordination, Konzentration oder vorausschauendes Denken.
  • Erfolgserlebnisse: Kinder werden motiviert und lernen ihre Selbstwirksamkeit kennen.
  • Freundschaft und Teilhabe: Kinder spielen selten allein Onlinespiele. Meistens stehen der Austausch und das gemeinsame Spielen mit Freunden im Vordergrund. Onlinespiele werden wie der Sportplatz oder der Spielplatz zum „Treffpunkt“ für Schulfreunde.

Was ist an Onlinespielen gefährlich?

Nicht nur Medienpädagogen warnen vor den Risiken von Onlinespielen. Heranwachsende selbst geben zu, dass es bei Onlinespielen zu negativen Begleiterscheinungen kommen kann:

  • Onlinespiele sind Zeitfresser und können nicht pausiert werden. Bis eine Mission oder ein Level erfolgreich absolviert wird, können schnell mehrere Stunden vergehen.
  • Es werden fragwürdige Wertevorstellungen vermittelt: in vielen Action-Spielen wird nur Gewalt als einzige Option angeboten, um Konflikte zu lösen. Ein besonders krasses Beispiel ist Mission in „Grand Theft Auto (GTA) V“, in der die Hauptfigur einen Zeugen foltern muss, um ihn zur Aussage zu zwingen.
  • Glücksspiel-Eigenschaften: Spieler können gegen Spielwährung (indirekt über Echtgeld) sogenannte Lootboxen erwerben. Darin sind Ausrüstungsgegenstände versteckt, die nach Zufallsprinzip ausgewählt werden. Die Landesmedienanstalten wollen aufgrund der versteckten Form von Glückspiel Spiele mit Lootboxen verbieten lassen.
  • Rüde Umgangsformen in Chats bis hin zu sexualisierten Aussagen sind leider oft die Regel.
  • Grooming via Chat: Leider nutzen auch Pädophile die Chat-Funktion von Onlinespielen, um Kontakt mit Minderjährigen aufzunehmen. Solche Fälle wurden bereits auf Minecraft oder Fortnite dokumentiert.
  • Abhängigkeits-Risiko: Heranwachsende neigen zu Eskapismus. Onlinespiele können zu Zufluchtsorten werden, wenn es im realen Leben zu Problemen kommt. Langfristig kann solches Verhalten zu Abhängigkeiten führen, sofern keine alternativen Problemlösungskompetenzen erlernt.

Praktische Tipps für Eltern

Reden Sie darüber mit Ihrem Kind!

Unser erster Rat ist: sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, für welche Spiele es sich interessiert. Erklären Sie ihm welche Spiele für es in Frage kommen und warum Sie z. B. Spiele mit gewalthaltigem Inhalt ablehnen, welche Sorgen Sie sich diesbezüglich machen und dass Sie sich an die Alterskennzeichen der USK halten.

Nutzen Sie technische Hilfsmittel

Darüber hinaus können Sie die Spielezeit auch technisch begrenzen. Nutzen Sie beispielsweise die Möglichkeit den Internetzugang für ihre Kinder einzuschränken. Bei vielen Internet-Router können Sie festlegen, welche Geräte wie lange mit dem Internet verbunden sein dürfen. Auch die Konsolen selbst verfügen über Jugendschutzeinstellungen, mit denen Sie problematisches Spielen eindämmen können. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Seite https://www.medien-kindersicher.de/.

Spielen Sie gemeinsam

Eltern sollten wissen, was ihre Kinder spielen, warum sie das eine oder andere Spiel so toll finden und erst dann mit den Kindern gemeinsam Regeln festlegen. Dazu ist es sinnvoll, wenn sich Eltern erklären lassen, wie ein Computerspiel funktioniert und vielleicht auch selbst einmal mitzuspielen. Das ist für Erwachsene sehr lehrreich und Kinder werden sich wiederum wertgeschätzt fühlen, wenn das Interesse ernst gemeint ist.

Auswahl von Standort und des Gerätes berücksichtigen

Eine weitere Form der Restriktion besteht in der Wahl des Familien-Rechners und dessen Standort. Für Apple-Rechner ist das Angebot an Spielen mit Altersbeschränkung deutlich geringer. Manche Onlinespiele sind nicht als Mac-Version erhältlich. Besagte Browserspiele können aber dennoch mit einem Apple-Rechner gespielt werden. Eltern können aber in Apples iTunes unterbinden, dass Spiele mit Altersbeschränkung gekauft werden. Abgesehen davon müssen Eltern sich darüber im Klaren sein, dass technische Vorkehrungen nicht zu absoluter Absicherung vor unerwünschten (Spiel)-Inhalten führen. Ein weiterer Rat ist, den Familien-Rechner dort hinzustellen, wo Eltern von Zeit zu Zeit einen Blick auf den Bildschirm werfen können. Die hinterste Ecke im Kinderzimmer ist als Ort für den Rechner nicht zu empfehlen.

Regeln festlegen

Sollte Ihr Kind schon älter sein und Sie ihm die Nutzung von Onlinespielen erlauben, gilt es folgende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Überprüfen Sie zu Beginn, ob das Spiel für Ihr Kind altersgemäß ist. Hinweise dazu finden sie auf: www.usk.de oder www.esrb.org.
  • Legen Sie Regeln fest: wie lange, welche Uhrzeiten etc. Mehr dazu in unserem Artikel "Setzen von Regeln und zeitlichen Grenzen"
  • Klären Sie Ihr Kind auf, dass es bei Multiplayerspielen zu unangemessenen Verhalten anderer Mitspieler kommen kann: Beleidigungen, sexistische Äußerungen sowie die Einladung zum Cybersex sind laut einschlägigen Foren gang und gäbe. Ermutigen Sie Ihr Kind, solche Vorfälle nicht für sich zu behalten, sondern mit Ihnen darüber zu sprechen. Zeigen Sie ihrem Kind, dass es mit Ihrer Unterstützung rechnen kann und dass solche Vorfälle nicht mit Spieleverbot geahndet werden.
  • Klären Sie sich und Ihr Kind über Schutzmaßnahmen auf, die von Spiel zu Spiel bzw. die nach Konsole variieren. Sie sollten wissen, wie man Beleidigungen und ähnliches beim Spieleanbieter melden kann und wie solche Mitspieler zu sperren sind.
  • Klären Sie Ihr Kind auf, das Angaben anderer Mitspieler nichts mit der Realität zu tun haben müssen: Ein Mann kann sich als Frau ausgeben und umgekehrt, ein vermeintlich 14-Jähriger ist in Wirklichkeit ein älterer Erwachsener etc. 
  • Angebote anderer Mitspieler, Spielgegenstände zu verschenken oder Tipps zum besseren Spiel sollten misstrauisch machen. Teilweise soll dadurch Vertrauen aufgebaut werden, was später dazu dient, einen Telefonanruf oder reales Treffen zu arrangieren.
  • Klären Sie Ihr Kind auf, dass es in Onlinespielen keine persönlichen Daten bekannt geben darf. Die Angabe von realen Namen, Wohnort, Geschlecht, Aussehen etc. hat im Spielzusammenhang nichts verloren. Genauso wenig das Verschicken von Fotos. Der Nickname im Spiel sollte keine Rückschlüsse auf den richtigen Namen liefern.
  • Der Spiele-Account sollte mit einem sicheren Passwort geschützt sein. Erklären Sie ihrem Kind wie so ein Passwort aussieht. Eine Anleitung finden Sie hier.

Stand: April 2021.

Über den Autor

Christian Reinhold ist seit über 10 Jahren Redakteur der Initiative Kindermedienland. Privat ist er leidenschaftlicher Fotograf und Gitarrist.