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Eine Familie im Homeoffice | Leitfaden zur Internetrecherche

Internetrecherche Internetrecherche hat ihre Tücken: zu viele Suchergebnisse, keine guten Qualitätskriterien und keine Garantie auf den Wahrheitsgehalt der Inhalte. Der Artikel zeigt, wie man Heranwachsenden bei Google, Bing und Co unter die Arme greifen kann.

Aktion 6: Leitfaden zur Internetrecherche

Kontaktsperre hin oder her: unsere Hausspatzen wollen sich einfach nicht daranhalten. Unter unserem Dach haben sie sich auf engstem Raum eingenistet und täglich können wir ihr munteres und lautes Treiben beobachten. Unsere Tochter war letztes Jahr so von unseren gefiederten Untermietern angetan, dass sie sich zum Schuljahresbeginn zu einem Referat über das Thema „Spatzen“ hinreißen ließ. Mittlerweile ist es Ende April, unsere Tochter ist weiterhin mit den Spatzen per Du, doch von dem Referat weit und breit keine Spur.

Nun drängt die Zeit und sie braucht Ergebnisse. Schon vor einiger Zeit habe ich ihr ein Buch über Vögel angeschafft, in der Hoffnung, dass sie sich einliest und ein schlaues Referat schreibt. Von wegen! „Ich hab‘ keine Lust das zu lesen. Das Buch ist so dick und langweilig!“ war damals ihre Antwort. Auf die Schnelle soll es nun die Internetrecherche richten. Hauptsache sie fängt endlich mit der Arbeit an, denk ich mir. Nach einer Stunde Google-Suchergebnisse abgrasen, gibt meine Tochter entnervt auf: „Da gibt es nur Unmengen an Bilder von irgendwelchen Vögeln. Keine Ahnung ob das Spatzen sind. Ansonsten nur komplizierte Texte, die ich nicht verstehe und viel Werbung für Nistkästen. Mit dem Referat wird das nichts, das Thema ist viel zu schwer!“

Die Informationsflut bändigen

Ich beruhige: „Du schaffst das! Wenn du weißt, wie man bei der Internetrecherche richtig vorgeht, dann findest du auch die richtigen Ergebnisse.“ Aus eigener Erfahrung weiß ich natürlich, dass es manchmal ganz schön schwer ist, online gute Informationen zu finden.

Ich möchte gern meiner Tochter beibringen, wie eine zielgerichtete Onlinerecherche zu überschaubaren Ergebnissen führen kann. Dazu mach ich mich selber kurz schlau. Im Netz finde ich recht schnell Recherche -Tipps für Kinder. Besonders gut gefällt mir eine Broschüre von klicksafe.de: Recherchieren lernen mit dem Internet und das Material zur Informationskompetenz für Lehrer aus der Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“. Mein Plan: ich schreibe meiner Tochter einen knackigen „Recherche-Leitfaden“ mit dem sie für ihr Spatzen-Referat fündig wird.

Der Spatz in der Hand

Angesichts der ernsten Lage – meine Tochter hat soeben verzweifelt die Türe zugeknallt – bereite ihren Lieblingsdrink zu: einen Vanille-Erdbeer-Smoothie. Damit bekomme ich sie meistens rum. Mein Recherche-Leitfaden bekommt meine Tochter als Nachtisch dazu. Deutlich beruhigter – oder angesichts des steigenden Blutzuckerspiegels – ist meine Kleine deutlich motivierter. Den Leitfaden in Form einer Karte hänge ich gut sichtbar über dem Schreibtisch auf und es kann es losgehen! Zusammen probieren wir Schritt für Schritt den neuen Recherche-Leitfaden aus.

Leitfaden als Arbeitsanleitung

  1. Zunächst überlegen wir gemeinsam, welche Suchbegriffe die richtigen sind. Sie müssen sich genau auf das Thema beziehen und richtig geschrieben sein. Eingrenzen ist wichtig: Beim Suchbegriff „Spatz“ fällt uns auf, dass es unglaublich viele Spatzenarten gibt. Daher werden wir uns auf den Begriff „Haussperling“ konzentrieren und ausschließlich danach suchen.
  2. Nun testen wir Kindersuchmaschinen. Meine Tochter findet das uncool. „Das ist doch was für Babys!“ Doch nach einiger Zeit versteht meine Tochter, dass sie hier durchaus interessante Inhalte in gut verständlicher Form finden kann. Wir suchen auf www.blinde-kuh.de und www.fragfinn.de. Manche Informationen sind für unsere Zwecke tatsächlich zu kindlich oder oberflächlich. Dazwischen finden wir aber auch interessante und weitreichende Fakten, die dennoch verständlich bleiben. Und das war genau das, was wir brauchen. Meine Tochter ist erleichtert, das Referat scheint gerettet.
  3. Der Leitfaden scheint zu funktionieren. Dennoch bremse ich etwas und erinnere sie daran, dass nicht alles, was im Netz steht, unbedingt der Wahrheit entsprechen muss. Also skeptisch sein und Inhalte prüfen! Wir schauen im Impressum, wer der Urheber unserer Informationsseite ist und vergleichen mehrere Rechercheergebnisse, um sicher zu gehen, dass die Informationen richtig sind. Prima, wir haben Glück: Die grundlegenden Fakten aus unserer Recherche stimmen überein.
  4. Nun kann sich die junge Dame an die Ausarbeitung ihres Referates machen. Bevor ich sie in Ruhe arbeiten lasse, bespreche ich mit ihr noch die beiden verbleibenden Tipps: Sie kann Online-Lexika nutzen, um bestimmte Begriffe zu klären. Damit die Ergebnisse brauchbar bleiben, schlage ich ihr zunächst  eine Suche bei www.wissenskarten.de der Medienwerkstatt und www.schuelerlexikon.de von Duden vor.
  5. „Guck mal Mama, dieses Spatzenbild ist so süß! Das möchte ich unbedingt als Startbild für meine Präsentation nutzen!“ Meine Tochter scharrt schon mit den Hufen und will endlich ihr Referat in Stein meißeln. Ich erkläre ihr, dass es auch bei Bildern Urheberrechte gibt. Bei www.fragfinn.de finden sich auch gute und verständliche Informationen zur Bildnutzung. Die Suche nach dem passenden Bild geht also weiter. Noch besser als Bilder aus dem Internet sind selbstgemachte Fotos mit der eigenen Kamera. Da unsere Spatzen-Models fröhlich im Garten zwitschern, wird sich meine Tochter nachher mit der Kamera auf die Lauer legen.

Mein Fazit: Eigentlich erledigt meine Tochter ihre Schulsachen größtenteils selbstständig. Doch ohne Muttis „Meta-Wissen“ wäre sie schnell an ihre Grenzen gestoßen. Insgesamt ist mir bewusst geworden, dass das Internet als Infokanal für Kinder selbstverständlich und unersetzlich ist. Leider führt die Fülle an Informationen nicht automatisch zu guten Ergebnissen und letztendlich zur Wissensvermittlung. Wie man Inhalte sucht, filtert und auswertet, muss erst einmal gelernt werden. Ich nehme mir auch als Lehrerin vor, diese grundlegenden Fähigkeiten noch stärker im Blick zu haben und regelmäßig daran zu arbeiten. Heute sind wir erst einmal hier zu Hause diesem Ziel erfreulicher Weise einen kleinen Schritt nähergekommen: Nachdem die Spatzenfotos im Kasten waren, hat meine Tochter das Referat recht schnell zu Ende gebracht.

Tipp: Jetzt mit kreativen Medienproduktionen tolle Preise gewinnen!

Die Landesregierung ist Träger der Kampagne „BITTE WAS?! Kontern gegen Fake und Hass“, die für gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein respektvolles Miteinander im Netz eintritt. Ihr wollt für eure kreative Arbeit belohnt werden und tolle Preise gewinnen? Dann erstellt einen Wettbewerbsbeitrag, der ein Zeichen gegen Fake und Hass setzt. Kreativität siegt über Hass! Darum sind eure Ideen gefragt. Wettbewerbsbeiträge können noch bis 29. Juli 2020 hier eingereicht werden.

Die Autorin ist Pädagogin, Mitarbeiterin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Mutter zweier Kinder.

Schulschließung und Homeoffice – Medienbildung in der Familie

Seit der Corona-Epidemie ist unsere ganze Familie ständig online: Papa im Homeoffice, Hausaufgaben per Mail und ich texte diesen Artikel gerade in die Cloud. Und nach den Hausaufgaben immer die gleichen Fragen nach Handy und Tablet. Wie können wir es dabei schaffen, ein gesundes Medienverhalten beizubehalten? Als Lehrerin und Mutter zweier Kinder mache ich mir Gedanken, wie das gelingen kann. Trotz Corona-Blues und Kontaktsperren werde ich daher ab sofort meine privaten Medienkompetenzwochen auf die Beine stellen. Ich werde ausprobieren, wie man mit einfachen Mitteln die eigene Medienkompetenz und die von Kindern fördern kann.

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