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Sexuelle Inhalte im Netz | 10 Grundregeln, wie man mit Kindern darüber reden kann

10 Grundregeln, wie man mit Kindern über sexuelle Inhalte im Netz reden kann

Sexuelle Inhalte online Wie können Eltern mit Kindern darüber reden?

Ein Freund zeigt auf dem Smartphone ein Video. Eine Internetsuche führt auf ein fragwürdiges Angebot. Oder eine App blendet in der Werbepause erotisierte Darstellungen ein. Viele Situationen können dazu führen, dass Heranwachsende im Netz mit „Sexualität“ konfrontiert werden. Doch wie können Eltern darüber mit ihnen reden?

Der Titel könnte auch lauten „Wie man über Sexting reden kann“, „Wie man über sexualisierte Werbung reden kann“ oder ganz allgemein „Wie man mit Kindern über Sexualität reden kann“. Gemeinsam haben alle Titel, dass Eltern sich bei den Themen schnell überfordert fühlen. Gute Nachrichten: Es geht allen Eltern so und in dem Thema steckt eine große Chance. Wenn Eltern vorbereitet sind, können sie ihren Kindern positive Impulse mitgeben und in eine vertrauensvolle Beziehung investieren.

Inhalt

Einflussfaktoren: Alter, Familienklima, Scham

Jüngere Kinder reagieren auf Fragen rund um die Geburt oder Geschlechtsorgane sozial unangepasst, sind impulsiv und von Neugier geleitet. Sie stellen ihre Fragen unmittelbar, weil sie etwas aufgeschnappt haben oder gerade ihren Körper entdecken. Ein weiterer Faktor ist das Austesten von Grenzen: Kinder im Grundschulalter wollen Eltern gerne mal mit sexuellen Themen provozieren. Je stärker aber Kinder in der Pubertät stecken, umso unwahrscheinlicher werden sie das Gespräch mit den Eltern suchen. Das hat zwei Gründe: Zu groß ist ihre Angst, dass sich eine komplizierte Situation mit der elterlichen Intervention noch mehr verkompliziert. Und zu fragil ist noch ihr eigenes Selbstbewusstsein, um sich mit solchen Fragen vor den Eltern preiszugeben, während sie sich eigentlich von den Eltern abnabeln möchten.

Auch das Familienklima kann stark beeinflussen, wie schnell sich Kinder ihren Eltern anvertrauen oder sich zurückziehen. Wird viel gestritten und ein allgemeines Misstrauen herrscht gegenüber den Eltern? Schwer vorzustellen, dass sich Kinder hilfesuchend an ihre Eltern wenden. Ein aufgezwungenes Aufklärungsgespräch richtet in diesem Fall mehr Schaden an und führt die Kinder in den Widerstand.

Ein weiterer Faktor ist die Scham oder der Wunsch der Eltern, die sexuelle Entwicklung ihrer Kinder nicht wahrzunehmen. Diese Scham kann den Umgang mit dem Thema extrem hemmen. Viele Eltern, die das Thema gerne ausklammern, sind froh darüber, dass jemand von außen das Thema angeht – durch den Aufklärungsunterricht in Schulen und Beratungsangebote.

Dennoch sind Eltern maßgeblich dafür verantwortlich, wenn es darum geht, ihre Kinder mit Informationen zur Sexualität zu versorgen. Das kann ungewollt passieren, wenn z. B. durch Tabuisierung oder Skandalisierung signalisiert wird, dass das Thema besonders heikel ist. So wird nur vermittelt, dass Sexualität was „Schlechtes“ ist. Eltern können aber auch das sexuelle Heranreifen ihrer Kinder positiv mitgestalten, indem sie es kindgerecht aufs Leben vorbereiten und situativ auf die Fragen ihrer Kinder eingehen.

Wie das aussieht, darüber haben wir eine Reihe von Tipps zusammengestellt, die je nach Alter des Kindes wichtig sind.

Tipp 1: Vorbereitet sein

Wer Kinder hat, muss damit rechnen, dass früher oder später Fragen zu den Themen Sex und Schwangerschaft kommen werden. Der Klassiker: Der Nachwuchs bemerkt den wachsenden Bauch der Mutter und will wissen, was vor sich geht. Die Frage, wo die Babys herkommen kann schon von Kleinkindern gestellt werden. Wenn Kinder Fragen zur Sexualität stellen, sollten sich Eltern darüber freuen. Denn es bedeutet, dass sie eine gesunde Neugier entwickeln und keine Angst haben, „blöde Fragen“ zu stellen.

Auch wenn Ihnen im ersten Moment die Spucke wegbleibt – es ist hilfreich, wenn Sie zumindest mal darüber nachgedacht haben, wie Ihre Haltung ist und was Sie gerne Ihrem Kind vermitteln möchten. Auch nützlich: Wenn Sie wissen, wie Sie Dinge benennen und wie nicht. Ob Sie „Sex machen“ sagen wollen oder „liebhaben“. Oder „die Kinder kommen aus dem Bauch“ vs. „die Kinder kommen aus der Scheide“.

Auch auf das Thema „Internetpornografie“ sollten Sie gefasst sein. Sobald Kinder oder deren Freunde Zugang zum Internet haben: Kein noch so ausgeklügeltes Filtersystem kann verhindern, dass Kinder auf sexuelle Inhalte stoßen werden. Meist geschieht es ohne Absicht – ein Klick auf einen Werbebanner genügt. Oder Kinder leiten per WhatsApp etwas weiter, was andere – zum Beispiel Ältere – zugeschickt haben. Oftmals wollen Eltern diese krude Realität nicht wahrhaben, besonders, wenn es sich um jüngere Kinder handelt. Dennoch stellen manche Eltern ihren Kindern bereits im Grundschulalter Smartphones zur Verfügung, ohne sich um Kindersicherungen zu kümmern. 

Ratsam ist daher, mit Kindern vorbeugend über die möglichen Gefahren zu reden. Wie so ein Gespräch aussehen kann:

mit jüngeren Kindern

mit Jugendlichen

Tipp 2: Entspannt bleiben

Eltern können sich freuen, wenn Fragen über Sexualität gestellt werden. Dadurch erhalten Eltern die Chance, die wichtigsten Sachinformationen kindgerecht zu vermitteln. Bleiben Sie also entspannt. Wenn Sie nervös werden oder stammeln, macht das Kinder erst recht neugierig und verstärkt das Interesse am Thema unnötig. Falls Sie also von einer Frage überrascht werden, können Sie Ihrem Kind anbieten, in Kürze zu antworten: „Ich denk mal kurz darüber nach und komm gleich zu dir.“ Dann können Sie sich innerlich sammeln und nochmal nachdenken, was Sie Ihrem Kind antworten wollen. Die gute Nachricht: Wenn Kinder im Vor- und Grundschulalter Fragen zur Sexualität stellen, speichern sie Ihre Antworten als reine Sachinformationen ab. Sie haben in diesem Alter noch keinen moralischen Kompass und gehen mit den Informationen wertfrei um.

Bei Jugendlichen sollten Sie versuchen, sich anzubieten ohne sich aufzudrängen. Ein Spagat, der viel Feingefühl benötigt. Ihr Kind muss tief im Herzen wissen, dass Sie immer mit Unterstützung von Ihnen rechnen kann. Dass Sie immer der Notnagel sind, wenn es mal nicht alleine zurechtkommt. Und gleichzeitig lassen Sie ihrem Kind – abhängig vom Alter und der Reife des Kindes – so viel Freiraum wie möglich. Das beinhaltet auch die Privatsphäre bzw. die Intimsphäre des Kindes zu respektieren und mit zunehmenden Alter die Eigenverantwortung des Kindes zu fördern.

Tipp 3: Zuhören und Interesse zeigen

Hören Sie nicht Fragen, die gar nicht gestellt worden sind. Gut zuhören ist die richtige Devise. Wenn Sie nicht ganz verstehen, worauf Ihr Kind hinauswill, fragen Sie einfach „Was genau möchtest du wissen?“. Wenn das Kind dann unsicher ist, können Sie versuchen, die Frage vorzuformulieren. „Ich glaube, dass du XYZ meinst. Sollen wir gemeinsam nach einer Antwort suchen?“, wäre eine positive Einladung.

Sie sollten ein Gespür dafür haben, welche Emotion hinter einer Frage steht: Neugier, Verunsicherung oder sogar Angst und Ekel. Werden negative Gefühle deutlich, sollte Sie vorsichtig nachfragen, wo Ihr Kind die Information aufgeschnappt hat. Ist das Kind auf sexualisierte Inhalte gestoßen, benötigt es auf jeden Fall Trost und Unterstützung. Kontraproduktiv hingegen sind Tadel, Drohungen oder Verbote. Wenn sich das Kind wieder gefangen hat, können Sie mit ihm besprechen, welche Regeln beim verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien gelten. Noch besser wäre, wenn Sie die Regeln bereits präventiv bei der Übergabe der Geräte aufstellen.

Insgesamt gilt: Zeigen Sie Interesse. Das bedeutet das Gegenteil von Tabuisierung oder Ausweichmanövern. Ältere Generationen mussten sich noch anhören „Darüber spricht man nicht“, diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Aber aufgepasst, wenn das Interesse in Neugier überfließt oder von Ängsten geleitet wird – dann lieber auf die innere Bremse treten. Wobei wir beim nächsten Tipp wären:

Tipp 4: Nicht ausfragen

Getreu den Motto „Reden ist Gold, Schweigen ist Silber“ würden manche Eltern jede noch so triviale Situation dazu nutzen, endlich mit ihrem Spross über Sexualität zu reden. Nur leider hat die Sache einen Haken: Gerade pubertierende Jugendliche machen bei dem Thema „schnell zu“. Daran kann auch eine noch so kumpelhafte Atmosphäre nichts ändern. Auf ein Gesprächsangebot reagieren die Kinder schnell „muffelig“ und wollen erst einmal nicht über das Thema reden. So eine Reaktion ist völlig nachvollziehbar. Auch ungeschicktes Nachbohren nervt. Jugendliche fühlen sich dann ausgefragt und verschließen sich womöglich komplett. Völlig verständlich, da gerade ihre Intimsphäre missachtet wird. Die ganze Ausfragerei verführt die Kinder meistens nur zur Lügerei. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm vertrauen können. Dazu zählt auch, die Finger vom Tagebuch ihrer Kinder zu lassen, was einen großen Vertrauensbruch darstellt. Dies sollten Sie nur bei Gefahr von Leben und Leib anwenden.

Tipp 5: Kurze Antworten

Gerade bei Kindern im Vor- und Grundschulalter: Schießen Sie nicht über das Ziel hinaus und beantworten Fragen, die gar nicht gestellt wurden. Auch wenn Sie es vielleicht für die ideale Gelegenheit halten, endlich mal zu erklären, wo Kinder herkommen und vor Gefahren warnen wollen – Sie sollten nicht gleich die gesamte Information über ihrem Kind ausladen. In der Regel wird Ihr Kind zeigen, wie viel es von Ihnen wissen will und nach Stunden, Tagen und manchmal Wochen wiederkommen um das Thema erneut aufzugreifen.

Tipp 6: Keine ungewollten Aufklärungsgespräche

Über Sexualität sollte man mit Kindern reden, wenn sie das einfordern, dazu Fragen stellen oder sich das im Kontext ihrer Fragen anbietet. Nehmen Sie sich niemals vor, dass Sie nächsten Sonntag mit Ihrem Kleinen darüber reden wollen, wo die Kinder herkommen. Das überfordert und verunsichert nur. Warten Sie besser, dass Ihr Kind Fragen stellt oder eine Situation es vorgibt. Passende Situationen sind

  • wenn Kinder sich für Neugeborene in der Familie interessieren,
  • wenn in der Schule „Sexualität“ behandelt wird,
  • oder z. B. bei der anfänglichen Nutzung einer Messenger-App.

 Außerdem sollten Sie die Fragen nicht „zwischen Tür und Angel“ beantworten.  

Tipp 7: Nicht moralisieren

Gerade wenn Sie mit Heranwachsenden über sexualisierte Inhalte im Netz reden wollen: Bewertungen wie „gut“ oder „schlecht“ helfen nicht. Besser kind- und jugendgerecht erklären, was die Folge oder der Hintergrund von einem bestimmten Verhalten sein kann. Beispielsweise helfen Hinweise, dass „etwas wehtun kann“, „dass jemand einen Schreck bekommt“ oder man „dafür ganz viel Vertrauen braucht“. Wenn es um sexualisierte Bilder und Videos geht, kann man jüngeren Kindern sagen, dass einem manche Bilder im Internet Angst machen oder Ekel bereiten können und dass jeder Mensch das Recht hat, „Nein“ zu sagen – auch Kinder! Zusammenfassend gesagt: Ihr Kind soll, wenn nötig die Folgen seines Verhaltens einschätzen können. Unnötig Horrorszenarien an die Wand zu malen, ist damit aber nicht gemeint!

Tipp 8: Nicht ironisieren, nicht bloßstellen

Ziehen Sie nicht Dinge ins Alberne. Auch wenn Sie viermal so viel Lebenserfahrung vorweisen wie Ihr Kind, sollten Sie keine Überheblichkeit an den Tag legen. Dazu zählt auch der Einsatz von Ironie, die ja eine kritische Distanz schaffen soll. Schnell kann ein flapsiger Spruch als Angriff aufgefasst werden und Kinder können sich bloßgestellt fühlen. Kinder, die ihr Selbstbewusstsein gerade noch entwickeln, reagieren auf schlecht platzierten Humor sehr empfindlich und ziehen sich zurück. „Selbstkritisch über eigene Schwächen oder Fehler zu reden, ist für Jugendliche ganz besonders schwer.“  schreibt dazu Diplom-Psychologin Helga Gürtler.

Tipp 9: Digitale Medien sind nicht alles

Schenken Sie digitalen Medien nicht die alleinige Aufmerksamkeit, wenn es um die sexuelle Entwicklung Ihrer Kinder geht. Die Forschung geht davon aus, das Sexualität von klein auf erlernt wird und deren Entwicklung von vielen Bausteinen abhängt:

  • welche Familienrituale es gibt,
  • wie getröstet und ins Bett gebracht wird,
  • wie die Eltern miteinander umgehen,
  • wie deren Vorbild ist,
  • wie sich der eigene Körper entwickelt,
  • wie gesund sich das Selbstvertrauen entwickelt,
  • wie Beziehungen zu Gleichaltrigen aufgebaut werden,
  • welche Informationen sie von ihrem Umfeld (Eltern, Freunde, Verwandte) bekommen,
  • und zu guter Letzt, welche Informationen sie aus Medien bekommen.

Wie sich die medialen Informationen auf Heranwachsende auswirken, wird von der Gesamtheit der Bausteine beeinflusst.

Tipp 10: Arbeiten Sie am Familienklima

Unternehmen Sie was Unerwartetes: Machen Sie eine große Packung Eis auf. Bringen Sie Ihre Kinder zum Lachen. Oder verbringen Sie einfach Quality-Time mit den Kindern: keine Hausaufgabenabfrage, keine gestressten Fahrdienste zum nächsten Ballettkurs, kein Wir-sitzen-alle-anständig-beim-Essen-und-keiner-sagt-was.  Auch eine starke Beziehung zwischen den Elternteilen wirkt sich positiv auf die Kinder aus. Ihre Kinder lernen dann: Unsere Familie ist der Ort, wo man sicher ist, wenn etwas schiefläuft. Hier möchte ich gerne zurückkehren. Im Idealfall schaffen Sie eine Atmosphäre, in der Ihr Kind im schlimmsten Fall Sie um Hilfe aufsucht.

Doch über was reden Sie konkret?

Bei jüngeren Kindern geht es bis zum Abschluss der Grundschule darum, dass sie sprachfähig gemacht werden, Körperteile benennen können und dass sie gelernt haben, Grenzüberschreitungen zu kennen und „Nein“ zu sagen. Darauf zielt auch der baden-württembergische Bildungsplan für Grundschulen mit dem Sachunterricht der Klassen 3 und 4 ab. Eltern können die Unterrichtsthemen im Alltag aufgreifen oder bereits vor den Unterrichtseinheiten die Kinder auf den Stoff vorbereiten. Detaillierte Anleitungen finden Eltern bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Jugendliche brauchen in den seltensten Fällen eine technische Anleitung darüber, wie Sex funktioniert – zumal dies von der schulischen Sexualaufklärung und der medialen Aufklärung abgedeckt ist. Wichtiger als technisches Fachwissen ist für Jugendliche der Umgang mit ihren Gefühlen – wenn sie begehrt oder abgelehnt werden, wenn sie verliebt sind oder enttäuscht werden usw. Da sind Eltern, Freunde und andere Menschen des Vertrauens die richtigen Ansprechpartner. Reden Sie mit Ihren Kindern darüber, was in einer Freundschaft wichtig ist oder was sie von einem Freund oder Freundin erwarten. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es wertvoll ist und dass sein Wert nicht von den wackligen Gefühlen eines Schwarmes oder eines Verehrers abhängt. Stärken Sie bei solchen Gesprächen die Selbstsicherheit ihre Kindes und vermitteln Sie, dass es für sich Grenzen ziehen soll.

Wann man mit jüngeren Kindern über problematische Inhalte im Internet sprechen kann

Ab dem Moment, ab dem Kinder unbegleitet Zugriff auf das Internet haben, können sie passiv oder aktiv an sexuelle Inhalte gelangen. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones unter Grundschülern, ist das bereits ab Schuleintritt der Fall. Laut KIM-Studie 2018 haben bereits zwei von fünf Kindern im Alter von 6 bis 13 ein Smartphone. Es bietet sich an bereits im Vorfeld mit Kindern darüber zu sprechen – auch wenn Ihre eigenes Kind kein Smartphone hat.

Wenn Sie Ihrem Kind ein Smartphone überlassen, sollten Sie anfänglich auf eine regelmäßige gemeinsame Nutzung bestehen. Zusammen können Sie festlegen, welche Apps für Ihr Kind geeignet ist und welche nicht. Außerdem können Sie sich Apps gemeinsam anschauen, die auf dem Handy installiert sind. Auch Regeln zur Smartphone-Nutzung sollten vereinbart werden.

Sobald Ihr Kind via WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken mit anderen Kindern Kontakt aufnehmen möchte, eigenständig Online-Videos anschaut oder mit vorinstallierten Suchmaschinen in Netz geht, sollten Sie auch die Risiken thematisieren – auch wenn Sie bereits das Gerät kindersicher gemacht haben.

In diesem Zusammenhang können Eltern auf problematische Inhalte hinweisen und erklären, dass es im Internet „Bilder und Videos gibt, die einem Angst machen können oder deshalb nicht für Kinder geeignet sind“. Ihr Kind soll lernen,

  • dass man aus Versehen auf solche Seiten und Videos gelangen kann,
  • dass man solche Seiten und Videos jederzeit abschalten und schließen kann - und wie das funktioniert,
  • dass man Personen, die einem ungeeignetes Material weiterleiten, „Nein“ sagen und blockieren kann - und wie das funktioniert,
  • dass es keine Bilder oder Videos, die Angst machen, weiterleiten darf,
  • dass es keine Bilder oder Videos von sich selbst an andere weiterleiten darf,
  • dass es bei negativen Erfahrungen mit dem Smartphone jederzeit mit Ihnen reden sollte,
  • dass zu bestimmten Zeiten - bei den Mahlzeiten, Hausaufgaben, einige Zeit vor und während der Nachtruhe - das Smartphone auszuschalten ist und in der gemeinsamen Ablage liegt.

Weitere Hinweise dazu auf folgenden Seiten:

Handys in Kinderhand (klicksafe.de)

Checkliste: Ist Ihr Kind reif für ein Smartphone? (klicksafe.de)

Mediennutzungsvertrag – ein Vertrag zum Vertragen (internet-abc.de)

Wie man mit Jugendlichen über „sexuelle Inhalte im Internet“ reden kann

Aktuelle Zahlen von 2019 zeigen, dass über jeder zweite Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren bereits „in den letzten 12 Monaten jeweils sexuelle Bilder gesehen“ hat. Ein weiteres Ergebnis der EU Kids Online-Befragung in Deutschland 2019 war, dass über ein Drittel der „Heranwachsenden, die mit sexuellen Inhalten in Berührung gekommen sind, absichtlich danach gesucht“ haben. In der gleichen Studie wurde auch untersucht, wie weit Eltern sich der Problematik sexueller Inhalte bewusst sind. Die Herausgeber der Studie dazu: „Von den Eltern gehen 10 Prozent davon aus, dass ihr Kinder in den letzten zwölf Monaten mit sexuellen Inhalten in Berührung gekommen sei. Bei den Kindern liegt der Anteil bei 54 Prozent.“ Unter diesem Aspekt sollten Eltern sich fragen, in wie weit sie die Thematik womöglich ignorieren und wie sie gegenüber ihren Kindern gesprächsfähig bleiben können.

Es ist wichtig – auch in der komplexen Pubertätsphase – einen Draht zu den Kindern zu halten. In diese Phase können Sie vermitteln,

  • wie was Ihre persönlichen Wertevorstellungen sind,
  • dass das Menschenbild in Pornos und erotischen Inhalten sehr fragwürdig ist und dass es ein entwürdigendes Zerrbild von Partnerschaft und Geschlechterrollen liefert,
  • dass für die abgebildeten Personen u. U. die Beteiligung negative Konsequenzen haben kann, auch wenn das Mitwirken freiwillig zu sein scheint,
  • dass Pornografie als Aufklärungsmaterial ungeeignet ist,
  • das Sexualität einen geschützten Rahmen braucht,
  • dass Anfragen nach eigenen erotischen Aufnahmen eine Grenzüberschreitung darstellen,
  • dass das Versenden intimer Bilder an Freunde oder Fremde sehr risikoreich ist, da man nicht kontrollieren kann, wer die Bilder zu sehen bekommt
  • und dass das Verbreiten von Pornografie an Minderjährige eine Straftat ist.

Selbstverständlich werden Jugendliche nicht automatisch einer Meinung mit ihren Eltern sein. Wichtig ist jedoch, dass Kinder den Standpunkt ihrer Eltern kennen und wissen, welche Grenzen für das eigene Verhalten gelten.

Erziehende und Lehrkräfte sollten in der Lage sein, das tabuisierte Thema Pornografie aufzugreifen. Um verantwortungsvoll mit Medien umzugehen, gehört neben einer Werteerziehung auch die Medienbildung von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen unserer Programme kann das Thema "Pornografie" an Schulen und Bildungseinrichtungen in Workshops aufgegriffen werden. Für das Kindermedienland Baden-Württemberg arbeiten geschulte Referenten aus der Sozial- und Medienpädagogik, die den Umgang mit Internetpornografie jugendgerecht thematisieren und Lehrkräfte dazu schulen.

Das Landesmedienzentrum bietet mit seiner Medienpädagogischen Beratungsstelle Eltern und Lehrkräften Rat und Unterstützung zum pädagogischen Jugendmedienschutz. Dazu zählen auch Tipps, wie man in der Familie mit Online-Spielen wie Fortnite umgeht. Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr unter (0711) 2850-777 erreichbar.

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