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Roblox: Spiel oder Ernst? Das sind die Risiken von denen Eltern nichts wissen sollen

Roblox: Spiel oder Ernst? Das sind die Risiken, von denen Eltern nichts wissen sollen

Roblox Kinder können auf Roblox eigene Spielewelten bauen und damit Geld verdienen: So verspricht es die aufstrebende Spieleplattform. Eltern sollten aber folgende Risiken kennen, um ihre Kinder vor falschen Vorstellungen zu bewahren. 

Kinder können auf Roblox eigene Spielewelten bauen und damit Geld verdienen: So verspricht es die aufstrebende Spieleplattform. Gleichzeitig schweigt Roblox zur Unterbezahlung, Diskriminierung und Ausbeutung der jungen Spieleentwickler. Eltern sollten folgende Fakten kennen, um ihre Kinder vor falschen Vorstellungen zu bewahren.

Wie stellen wir uns Erwachsenen das unter Heranwachsenden beliebte Roblox am besten vor? Am ehesten wie eine digitale Lego-Welt, in der Kinder aller Herren Länder miteinander spielen. Gleichzeitig ist Roblox eines der größten sozialen Netzwerke für Kinder unter 13 Jahren, auf dem ihre Figuren bzw. Avatare miteinander chatten. Während Schulschließungen, Lockdowns oder Kontaktbeschränkungen die Freundschaften im realen Leben erschweren, pflegen Kinder ihre sozialen Beziehungen rund um die Uhr auf Roblox.

In der Roblox-Welt basteln Kinder nicht nur an ihren Avataren und Ausrüstungen herum, sondern entwickeln komplett eigenständige Computerspiele. Die Bedienung ist so einfach, dass bereits Grundschüler auf Roblox eigene Videospiele programmieren. So wie die 10-jährige Anna, über die Anfang 2022 der englische Guardian berichtete. Sie lernte mithilfe von Roblox die Grundlagen der Programmierung, Musikkomposition und 3D-Design. Ihre Begeisterung ging so weit, dass sie nach Ende ihrer Schulstunden nicht mehr vom Roblox-Spiele-Baukasten wegzubekommen war.

Junge Spiele-Entwicklerin um Umsätze geprellt

Anna lernte in Windeseile dazu und entwickelte als Teenager ihr Talent als Games-Entwicklerin. Aufgrund ihres Portfolios lud ein 20-jähriger Roblox-Entwickler in einem Skype-Call in ihr Team ein. Das Angebot lautete, dass Anna ein neues Roblox-Spiel mitentwickeln durfte: jedoch ohne einen Arbeitsvertrag, aber mit der Zusage, dass sie mit 10 Prozent an den Gewinnen des Spiels beteiligt wird. Dieser Deal sollte sich als Glücksfall entpuppen. Zu Annas 16. Geburtstag war ihr Spiel-Projekt bereits auf Roblox einen Hit, welcher pro Jahr ca. 3 Millionen US-Dollar generierte. Der hohe Umsatz weckte Begehrlichkeiten. Kurzerhand schlugen Annas virtuelle Vorgesetzte vor, sie nicht mehr prozentual zu beteiligen, sondern nur noch einen normalen Monatslohn auszuzahlen. Anna rechnete aus, dass sie von nun an 40 Prozent weniger verdienen würde und verzichtete auf eine weitere Zusammenarbeit. Aus Angst davor, dass ihr Ruf in der Roblox-Community leiden würde, entschied sie sich dagegen, rechtliche Schritte einzuleiten.

Sexuelle Belästigung und Mobbing in Entwickler-Teams

Regan, der im Alter von 12 bis 14 regelmäßig an einem Roblox-Game arbeitete, berichtet davon, dass er aufgrund der unmenschlichen Forderungen seines Chef-Entwicklers bis zum Burn-Out arbeitete. Der gleiche Chef-Entwickler wurde erst lange Zeit später auf Roblox gesperrt. Dies, obwohl Screenshots belegten, dass er ein Team-Mitglied im Chat sexuell belästigte. Besonders schockierend: Die Betroffene war erst 12 Jahre alt und der Entwickler war sich dessen beim Tatvorgang bewusst. Wer sich unter Heranwachsenden umhört, stellt fest, dass der Umgang in der Roblox-Entwickler-Community sich nicht stark von dem auf dem Pausenhof unterscheidet – nur dass die Aufsicht fehlt.

Beispiele, wie oben genannte, gelangen nur an die Öffentlichkeit, weil Einzelne die Courage besaßen, die Verstöße publik zu machen. Das Aufdecken der Missstände kommt für Jugendliche einem Ausschluss von Roblox gleich. Zu groß ist die Angst davor, dass die Roblox-Community die „Verräter“ ausstoßen wird oder die Eltern den Zugang zum Spiel unterbinden werden. Um weiterhin die Plattform nutzen zu können, akzeptiert daher die Mehrheit die negativen Aspekte und schweigt darüber. Da in den virtuellen Roblox-Entwickler-Teams keine Gewerkschaften, keinen Betriebsrat geschweige denn eine rechtliche Basis existieren, können Übergriffe, Mobbing oder Ausbeutung nicht weiter eskaliert werden.

In der Roblox-Szene ist bekannt, dass sich Roblox nicht darum kümmert, ob Arbeitsrechte eingehalten oder Entwickler fair bezahlt werden. Das Argument: Die Aktivitäten der Entwickler-Teams und deren Kommunikation finden außerhalb von Roblox statt, oftmals auf Discord (einer Art Messenger-Tool). Dass Games-Developer lieber auf Discord oder andere Tools ausweichen, um sich miteinander auszutauschen, hat zwei einfache Gründe: Die Chat-Funktionen sind hier deutlich umfangreicher und bieten auch Voice-Chats an. Auf Discord lässt sich freier (unzensierter) miteinander kommunizieren, da hier Nachrichten nicht proaktiv gefiltert und geprüft werden.

Programmieren und reich werden: leere Versprechen

Zwar wirbt Roblox damit, dass Kinder beim Programmieren echtes Geld verdienen können. Dass es sich eher um Marketing-Versprechen handelt, zeigen die öffentlich zugänglichen Zahlen: Pro verdienten Dollar auf Roblox gehen nur jeweils 17 Cent an die Entwickler. Auf internen Foren plädieren Entwickler bereits seit Jahren dafür, sie stärker an den Gewinnen zu beteiligen. Die offizielle Antwort seitens der Plattform war bislang abweisend und ohne jegliche Empathie für die Entwickler – und das bei einer Marktbewertung von 38 Milliarden Dollar und über 200 Millionen monatlicher Nutzerinnen und Nutzer!

Viele junge Entwickler berichten davon, dass sie gegen professionelle Entwickler-Teams mit finanziellen Rücklagen chancenlos sind. Nur Spiele, die in Roblox beworben werden, werden einem größeren Publikum angezeigt und erzielen Umsätze. Für die Anzeigen im Spiele-Markt wiederum müssen Entwickler teuer bezahlen – in Robux wohlgemerkt. Die Anzeigengeschäfte, die bereits von Minderjährigen getätigt werden, sind komplett unreguliert und finden ohne Kontrolle von Aufsichtsbehörden, wie die deutsche Werbeaufsicht der Medienanstalten, statt.

Wenn man das deutsche Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) anschaut, gelangt man schnell zu dem Schluss, dass sich Kinder, die mit Roblox Geld verdienen wollen, in einer dunklen Grauzone bewegen. Dieses besagt, dass Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren keiner Erwerbsarbeit nachgehen dürfen und nur mit Einwilligung ihrer Eltern eine leichte Beschäftigung aufnehmen dürfen, wenn sie das 13. Lebensjahr vollendet haben. Eltern sollten sich genau überlegen, wer vom Spiele-Entwickeln ihrer Kinder profitiert: Roblox oder ihr Kind?

Her mit eurem Taschengeld! So verdient Roblox sein Geld

Roblox ist „Free-to-Play“ und kann kostenlos installiert werden. Für viele Funktionen und Outfits muss aber in Robux, der internen Währung, bezahlt werden. Diese digitale Währung kann mittels PayPal, Kreditkarte oder Geschenkarten erworben werden: z. B. 800 Robux (im Abo 1000 Robux) für 10 Euro. Was viele Eltern nicht wissen: Die Spielwährung lässt sich nur schwer wieder zurücktauschen. Roblox unternimmt jeden möglichen Trick, damit die Währung nur im Spiel ausgegeben wird.

Erst ab 50.000 Robux (vor der kritischen Berichterstattung Anfang 2022 waren es noch 100.000 Robux) und bei einer Mitgliedschaft für 5 Euro monatlich ist es möglich Robux zurückzutauschen. Der Clou: für den Rücktausch von Robux gilt ein deutlich schwächerer Wechselkurs von 1000 Robux zu umgerechnet ca. 3 Euro!

Schwarzmarkt für Items. Spekulationen auf den Wert von Items

Dass Kinder für Skins und Items ihr Taschengeld verprassen, ist vorprogrammiert. Schließlich handelt es sich für Kinder um Statussymbole, mit denen sich ihr Selbstwertgefühl aufpolstern lässt. Die Preise für richtig seltene Gegenstände haben es jedoch in sich. Schwerter, Hüte oder Roben erzielen Millionen von Robux bzw. tausende von Euros auf dem Roblox-Marktplatz oder auf Schwarzmarktseiten. Letztere sind besonders attraktiv, da hier die 30-prozentige „Transfer-Gebühr“ von Roblox entfällt.

Zwar warnt Roblox ausdrücklich vor Seiten von Drittanbietern und droht, Spielerinnen und Spieler, die auf sogenannter „Black Market“-Seiten einkaufen, zu sperren. Aufgrund der attraktiven Angebote wissen aber viele Kinder um ihre Existenz. Bei den teuren Gegenständen handelt es sich um Spekulationsobjekte, bei denen Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Kinder können sich auf den Schwarzmarkt-Seiten an Spekulationen beteiligen, die, wenn man sie mit Aktiengeschäften vergleicht, in der echten Finanzwelt erst für Erwachsene erlaubt sind. Darüber hinaus sind auf vielen dieser Seiten Abzocker unterwegs, die Kinder um ihr Erspartes bringen, in dem sie Gratis-Robux oder besonders günstige Deals versprechen.

Was unternimmt Roblox gegen die Vorwürfe?

Roblox filtert die Chats im Spiel auf persönliche Daten und Beleidigungen. Bei Chats zwischen Kindern ab 13 Jahren wird weniger streng gefiltert: Bei ihnen werden keine „unangemessenen Inhalte gefiltert“ und sie dürfen längere Sätze schreiben. Diese Filterung scheint gut zu funktionieren. Dennoch merken Kinder, wenn sie jemand beleidigt, ohne aber zu sehen, um welche Wörter es sich handelt. Eltern befremdet es, wenn ihre Kinder während des Roblox-Spiels von fremden Spielerinnen oder Spielern eingeladen werden, mit ihnen privat zu chatten. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen, treiben auf Roblox Erwachsene ihr Unwesen, die auf der Suche nach „Boys“ oder „Girls“ sind. Welches Ausmaß, dieses sogenannte „Cybergrooming“ hat, erklärt unser Artikel „Cyber-Grooming hat sich in fünf Jahren fast verdoppelt – Wie schützen wir Heranwachsende?“.

Deshalb sollten Eltern ihren Kindern zeigen, wie sie im Spiel reagieren sollen, wenn sie jemand beleidigt oder belästigt. Roblox erlaubt, die jeweiligen Spielerinnen oder Spieler zu blockieren und zu melden. Darüber hinaus können Regelverletzungen in Roblox-Spielen gemeldet werden.

Ende 2021 führte Roblox einen Altersnachweis ein: Um neuartige Funktionen wie den Voice-Chat oder Entwickler-Funktionen zu nutzen, muss seit Herbst 2021 eine Altersverifizierung durchgeführt werden. Nutzerinnen und Nutzer ab 13 Jahren müssen dafür eine Kopie ihres Ausweis-Dokumentes hochladen. Bei der Erstellung eines Roblox-Accounts und bei der Alterseingabe wird keine Identifikation benötigt!

Was macht Roblox nicht?

Leider finden viele der oben genannten Aktivitäten, wie die Schwarzmärkte und Entwickler-Teams außerhalb des direkten Einflussbereiches von Roblox, z. B. auf Chatforen wie Discord, Zoom oder Skype statt. Roblox hat bislang nichts unternommen, um dies zu beeinflussen, z. B. durch

  • Unterbindung oder rechtliche Schritte gegen die Schwarzmarkt-Seiten
  • Einflussnahme oder Supervision, was auf Kanälen von dritten Anbietern, wie Discord, passiert
  • Stärkung der Entwickler-Arbeitsrechte
  • Hinweise auf Kinderarbeit oder über die zeitliche Dimension beim Arbeiten an Games
  • Hinweise auf finanzielle Risiken beim Handeln mit Items und Skins

Insider vermuten, dass Roblox keine direkten rechtlichen Schritte gegen solche Plattformen starten wird. Zu groß das Risiko, die Community zu vergraulen und das Ökosystem des Spiels zu beeinträchtigen.

Eltern aufgepasst: Grundeinstellungen sofort ändern

Die Grundeinstellungen von Roblox sind nicht kindgerecht. Diese sollten Eltern gleich zu Beginn modifizieren:

  • PIN festlegen, damit Kinder die Konteneinstellungen nicht nachträglich verändern.
  • Kontaktbeschränkungen aktivieren, damit nur von Roblox überprüfte Spiele zugänglich sind.
  • Unter Datenschutz den Chat deaktivieren oder entsprechend der Reife des Kindes einstellen.

Darüber hinaus dürfen Eltern festlegen, wie viel Robux ihr Kind pro Monat ausgeben darf. Um sicherzugehen, können Eltern eine E-Mail-Benachrichtigung aktivieren, die anzeigt, sobald Robux ausgegeben werden. Ein letzter Tipp: Um zu verhindern, dass sich Kinder einen geheimen Roblox-Account zulegen und damit spielen, sollten Eltern auf allen Endgeräten (Tablet, PC oder Smartphone) verhindern, dass Apps oder Software installiert werden können.

Was tun, wenn mein Kind auf Roblox Spiele baut?

Wenn Kinder auf Roblox ihre eigenen Spieleideen verwirklichen und anfangen zu programmieren, können Eltern das wie ein normales Hobby fördern. Gleichzeitig sollten Eltern den exzessiven Einsatz von Geld und Zeit sowie den problematischen Austausch mit Älteren oder Erwachsenen thematisieren. Mit einem für Roblox individualisierten Mediennutzungsvertrag können sie zusammen mit dem Kind definieren, wo die Grenzen liegen. Wenn Eltern ein ernstes Interesse für das Spiel zeigen und mitspielen, wird dadurch das Vertrauen und die Gesprächsbereitschaft des Kindes gefördert.

Zusammenfassung: 10 Gründe, warum Eltern ihre Kinder bei Roblox begleiten sollten

Für die schnellen Überflieger von Texten hier eine Zusammenfassung, warum Eltern bei Roblox genauer hinschauen sollten:  

  1. Grundeinstellungen von Roblox sind nicht kindgerecht
  2. Kinder können sich ohne E-Mail-Adresse ein Roblox-Konto anlegen
  3. Roblox bietet unzählige Möglichkeiten, Spielwährung bzw. Robux auszugeben (Items, Spiele, Zusatzfunktionen, Anzeigen, etc.)
  4. In Roblox erscheinen unzählige Werbeeinblendungen, die zum Kauf animieren sollen
  5. Auf Roblox findet man Spiele mit sexistischen oder faschistischen Inhalten
  6. Auf Roblox findet man Spiele mit Glücksspiel-Charakter
  7. Beleidigungen, Mobbing oder Grooming können vorkommen
  8. Toxische Entwickler-Teams (Ausbeutung, sexuelle Übergriffe)
  9. Überzogene Versprechen bzgl. der Gewinnmöglichkeiten als Entwickler
  10. Gefährliche Schwarzmarkt-Seiten mit Scams und Abzocke

Roblox stellt mitten im tristen Kinderalltag ein emotionales Highlight dar. Daher ist die Gefahr groß, den falschen Versprechen des Roblox-Ökosystems auf den Leim zu gehen. Eltern sollten über die technischen Maßnahmen hinaus, mit ihren Kindern im Gespräch bleiben: über ihre Aktivitäten im Spiel, ihre Hoffnungen und Ängste.

Stand: Februar 2022

Weiterführende Informationen

Über den Autor

Christian Reinhold ist seit über 10 Jahren Redakteur der Initiative Kindermedienland. Privat fotografiert er leidenschaftlich gern und spielt Gitarre.