Die Eltern-Medien-Tage 2023 machen fit in Sachen Jugendmedienschutz

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Die Eltern-Medien-Tage 2023 machen fit in Sachen Jugendmedienschutz

Die Eltern-Medien-Tage 2023 machen fit in Sachen Jugendmedienschutz

Auch Erziehungsberechtige müssen den Umgang mit Medien lernen. Dafür gibt es die Eltern-Medien-Tage.

Medienbildung ist für alle wichtig. Aktuelle Zahlen zeigen aber alarmierend auf, dass es insbesondere bei Erwachsenen und Erziehungsberechtigten große Unterschiede in Sachen Medienkompetenz gibt.

Wer will, dass Kinder oder Schüler*innen verantwortungsvoll, reflektiert und versiert mit digitalen und analogen Medien umgehen, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Die Eltern-Medien-Tage 2023 des Landesmedienzentrums (LMZ) helfen dabei, die eigene Medienkompetenz zu verbessern.

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    Die Eltern-Medien-Tage 2023
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    Mit gutem Beispiel vorangehen
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    Wie Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder erleben
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    Die Mediennutzung der Eltern
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    Ab wann sollten Kinder eigene Geräte besitzen?

Die Eltern-Medien-Tage 2023

Vom 5. Oktober bis zum 4. November geht es in verschiedenen digitalen Veranstaltungen und Präsenz-Workshops für Eltern und pädagogische Fachkräfte um die Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen sowie die damit verbundenen Risiken und Chancen. Fragen wie: „Welche Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien fördern die kognitive und soziale Entwicklung eines Kindes? Welche medialen Angebote können Kinder und Jugendliche belasten oder ihre Entwicklung beeinträchtigen? Wie können Eltern einen kompetenten und kindgerechten Umgang mit Medien unterstützen?", sollen beantwortet werden.

In insgesamt sieben Veranstaltungen werden diese Problematiken aufgegriffen und mithilfe von Expertinnen und Experten aus vielen Bereichen der Medienbildung in der Familie erörtert. In den digitalen Veranstaltungen geht es um kindliche Medienwelten, aber auch um das komplexe Thema Gaming mit seinen Vor- und Nachteilen, den schmalen Grat zwischen Spaß und Sucht bei Medienthemen oder um Sexualität in den digitalen Medien. Die Präsenz-Workshops sollen diese Themen vertiefen und sind eigens dafür konzipiert, von Eltern und Kindern gemeinsam besucht zu werden. Hier geht es u.a. um Wohlfühlen im Netz, Smartphone-Nutzung in der Familie oder um Videogames für Eltern und Kinder. Interesse geweckt? Dann geht es HIER zur Anmeldung

Mit gutem Beispiel vorangehen

Die meisten Eltern nutzen digitale Medien ebenso wie ihre Kinder. Daraus entstehen einige Stolpersteine auf dem Weg zu einer sinnigen und nachhaltigen Medienerziehung. „Als Grundregel gilt, dass es Regeln geben muss in der Familie, an die sich auch alle halten“, weiß Verena Weigand vom Verein Programmberatung für Eltern e.V. „Da sind zum Beispiel medienfreie Zeiten hilfreich. Insbesondere beim Essen, vor dem Schlafengehen oder während der Hausaufgaben sollte der Bildschirm ausbleiben.“

Dazu gibt es selbstredend Regeln, die nur für Kinder gelten. Die können aber zusammen mit den Kindern festgelegt werden, um sie in den Prozess aktiv miteinzubinden. Diese Regeln „müssen dann immer zur Familie und zum Familienalltag passen“, so Weigand weiter. „Für Grundschulkinder empfiehlt es sich, ein Wochenkontingent anzulegen und auszugeben.“ Ausnahmen dieser Regel können schlechtes Wetter, Krankheitstage oder eine lange Fahrt in den Urlaub sein. Aber auch dann ist wichtig: Wenn Mama und Papa nicht immer ewig am Smartphone kleben und auch mal – ganz salopp gesagt – aus dem Fenster schauen, hat das durchaus Auswirkungen auf die Prägung des Kindes.

Eine Befragung der Krankenkasse Pronova BKK hat dazu alarmierende Zahlen gesammelt: Obwohl sich 78% der erwachsenen Befragten als vorbildliche Mediennutzerinnen und Mediennutzer ansehen, wurden zwei Drittel der Eltern bereits von ihren Kindern darauf hingewiesen, dass sie zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen. Rund jeder Zweite hat schon mal das eigene Kind überhört, wenn eine Nachricht auf dem Handy aufleuchtet oder die Lieblingsserie läuft. „Kinder lernen von ihren Eltern – ab Tag eins“, so Diplom-Sozialpädagoge Clemens Beisel.

Wie Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder erleben

Im Rahmen der KIM-Studie 2022 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest wurde offengelegt, dass das Thema „Medienerziehung/Umgang von Kindern mit Medien“ bei den Erziehungsberechtigen nur im Mittelfeld rangiert. Die Basisstudie zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern zwischen sechs und 13 Jahren hatte weiterhin gefragt, welche Relevanz insgesamt 25 verschiedene Themengebieten bei Eltern haben. Schule, Gesundheit und Ernährung führen hier das Feld an, das Themenfeld Internet ist nur für 56% der Befragten überhaupt relevant. Knapp dahinter kommen Reisen und Umweltschutz.

Nachdem nur knapp die Hälfte der Erziehungsberechtigten ein Interesse an Medienbidlung mitbringt, ist davon auszugehen, dass in vielen Familien zu wenig Medienkompetenz vermittelt wird. Es gibt hier aber einen darstellbaren Trend: Eltern von jüngeren Kindern haben laut der Studie ein stärkeres Interesse an Erziehungsfragen rund um Medien. „Auch der Bildungshintergrund der Eltern spielt hierbei eine Rolle“, so die Studie. Befragte mit Abitur/Studium interessieren sich zu 50% für diese Thematik, solche mit mittlerem Bildungsabschluss zu 46 Prozent und Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss nur zu 38%."

Die Mediennutzung der Eltern

Nach wie vor befürchtet die Hälfte der Befragten, dass ihre Sprösslinge durch die Nutzung von Computern, Tablets oder Laptops zu Stubenhockern werden. Dafür sinken die Zahlen, die besagen, dass Laptops oder Smartphones für Streit in der Familie sorgen – ein Anzeichen für die gestiegene Normalität eines digitalen Alltags. Die KIM-Studie hat auch die Mediennutzung der Eltern untersucht. Die Zahlen besagen, dass die Erziehungsberechtigten durchschnittlich 101 Minuten mit dem klassisch-linearen Fernsehen verbringen, dazu 19 Minuten Mediatheken und weitere zwölf Minuten YouTube. Dazu kommen 82 Minuten Internetnutzung und 41 Minuten Streaming. Für das Lesen von Büchern sind noch 20 Minuten übrig. Es dürfte also mitunter knifflig sein, die Kids zum Lesen bringen zu wollen, wenn die meisten Elternteile selbst nur wenig Zeit mit einem Buch verbringen. Auch hier fällt auf: Je höher die formale Bildung, desto weniger klassisches Fernsehen wird konsumiert.

Ab wann sollten Kinder eigene Geräte besitzen?

Smartphones und Co. werden aus unserem Alltag nicht mehr verschwinden. Deswegen ist es umso wichtiger, dass der Nachwuchs im Umgang mit Medien nicht allein gelassen wird. „Ab einem bestimmten Alter ist z.B. ein Handy für Kinder ein wichtiger Alltagsbegleiter, der vor allem zur Kommunikation mit Freunden genutzt wird. Es gibt jedoch einiges zu beachten: Die Gefahr, sich in digitalen Medien zu verlieren, besteht dann, wenn Kinder dem Medium überlassen werden“, weiß Pädagogin Sarah Terhorst. Laut Statistischen Bundesamt besitzen bereits 21% der Sechs- bis Neunjährigen in Deutschland ein Smartphone. Danach kommt es zu einem rapiden Anstieg bei den Zehn- bis Zwölfjährigen: Hier liegt der Anteil der Handybesitzerinnen und Handybesitzer schon bei rund 82%. Dabei empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine früheste Nutzung ab etwa elf bis zwölf Jahren. Erst ab diesem Alter, so heißt es, ist ein Kind überhaupt in der Lage, das Handy sicher zu bedienen.

Im Rahmen der letzten KIM-Studie wurde erstmalig abgefragt, ob und wie in den Familien eine Regelung der Bildschirmzeiten der Kinder erfolgt. Das Ergebnis: Der Großteil der Eltern (über 60%) "hat bei Geräten wie PC, Laptop, Tablet, Smartphone und Spielkonsole keine speziellen Maßnahmen hinsichtlich der Nutzungsdauer ihres Kindes ergriffen." Nur ein Viertel bespricht die Bildschirmzeiten mit den Kindern und etwa ein Drittel der Eltern prüft, wie lange ihr Kind am PC, Laptop, Tablet, Handy oder Spielkonsole sitzt.

Laut KIM-Studie kommt auch das Thema Jugendschutz generell deutlich zu kurz: 36% der Befragten geben an, keine Filter- oder Schutzprogramme für die Internetnutzung zu kennen. Und weiter: „35% sind der Ansicht, dass sie solche Programme nicht benötigen, da ihr Kind das Internet nicht alleine nutzen darf, für 31% sind diese zu teuer und fast ebenso viele sind der Meinung, dass ihr Kind nach der Installation eines solchen Programms unbesorgt das Internet nutzen kann.“ All das macht die Relevanz der Eltern-Medien-Tage nur noch deutlicher. Je besser die Erziehungsberechtigten im Umgang mit Medien geschult sind, desto sicherer und souveräner navigiert auch der Nachwuchs durch die digitale Welt.

Stand: Oktober 2023

Weiterführende Informationen

Über den Autor

Björn Springorum ist freier Journalist und Schriftsteller. Er schreibt u.a. für die Stuttgarter Zeitung, den Tagesspiegel und konzipiert Comic-Geschichten für “Die drei ???". Als Schriftsteller hat er bislang fünf Kinder- und Jugendbücher verfasst. Zuletzt erschienen: “Kinder des Windes" (2020), Thienemann Verlag. Er lebt in Stuttgart.