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Pressemitteilung

Fake News und Hatespeech im Alltag von Jugendlichen: Sonderbefragung „JIMplus“ veröffentlicht

Nahaufnahme von Händen, Smartphones und Laptops
Für die „JIMplus 2022“ wurden Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren unter anderem nach ihrer Wahrnehmung von Fake News und Hatespeech im Internet befragt.
22.07.2022

Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren stoßen regelmäßig auf Fake News und Hatespeech im Netz. Mit zunehmendem Alter steigt der Kontakt mit diesen Phänomenen. Hasserfüllte Kommentare werden vor allem auf den bei Jugendlichen beliebten Plattformen Instagram, TikTok, YouTube und WhatsApp wahrgenommen. Inhaltlich richtet sich der Hass nach Erfahrung der Jugendlichen, insbesondere gegen die Sexualität von Menschen sowie gegen das äußerliche Erscheinungsbild, wie beispielsweise die Hautfarbe. Dabei nehmen Jugendliche einen deutlichen Einfluss von Hatespeech auf die Gesellschaft und auch das eigene Handeln wahr. Ein Drittel der Jugendlichen gibt bspw. an, aus Angst vor negativen Reaktionen seine Meinung nicht mehr öffentlich zu posten.

Dies sind Ergebnisse der „JIMplus Fake News und Hatespeech“, einer Zusatzstudie zur Studienreihe Jugend, Information, Medien (JIM), die heute veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung wurden in einem ersten, qualitativen Schritt 36 Jugendliche von 14 bis 19 Jahren anhand von Tagebüchern und Online-Fokusgruppen befragt. Hierbei stand im Vordergrund, das Verständnis der Begriffe zu klären und persönliche Erfahrungen abzufragen. In einem zweiten, quantitativen Schritt wurde vom 8. bis 17. Juni 2022 eine repräsentative Online-Befragung mit Zwölf- bis 19-Jährigen in ganz Deutschland durchgeführt. Ziel war die Erfassung individueller Wege zur Informationsbeschaffung sowie die Wahrnehmung und der Umgang mit Fake News und Hatespeech im Netz. Die Studienergebnisse sind als Chartbericht unter www.mpfs.de abrufbar.

Fake News werden von Jugendlichen als falsche Informationen, die vorsätzlich als wahre dargestellt werden und vor allem im Internet verbreitet werden, definiert. Die Mehrheit der Befragten nimmt Fake News mindestens gelegentlich wahr, besonders in Bezug auf Corona und Personen des öffentlichen Lebens. Ob eine Nachricht stimmt oder nicht, wird vor allem daran gemessen, ob auch andere Quellen darüber berichten. Jede/-r Zweite fragt im Zweifel seine Eltern, ob fragwürdige Inhalte stimmen können. Kennzeichnungen, wie ein blauer Haken oder die Zahl der Follower*innen sind für Jugendliche per se eher kein Anzeichen für Glaubwürdigkeit. Wichtig ist die Quelle der Nachricht, beispielsweise formulierte ein 15-Jähriger Junge: „An bestimmten Kanälen braucht man nicht zu zweifeln, nur weil sie auf TikTok sind.“ Trotz Wahrnehmung von Falschnachrichten, wird selbst aktiv kaum etwas gegen Fake News unternommen. Ignorieren ist die verbeiteste Handlungsstrategie.

Drei Viertel der Jugendlichen nehmen zumindest selten Hatespeech im Internet wahr. Knapp jede/-r Fünfte gibt zu, auch selbst schon einmal einen abwertenden oder beleidigenden Post abgesetzt zu haben. Trotz der Relevanz wurde bei einem Viertel der Jugendlichen das Thema Hatespeech in der Schule bislang nicht behandelt.

Wie bei Fake News zeigt sich auch bei Hatespeech trotz ausgelöster Emotionen wie Wut, Traurigkeit sowie der Motivation etwas zu unternehmen, dann eine Diskrepanz zur Handlung. Hatespeech wird oft ignoriert, insbesondere wenn niemand aus dem eigenen Bekanntenkreis betroffen ist. Bei Hassrede im persönlichen Umfeld verarbeiten Jugendliche diese am ehesten mit nahestehenden Personen, blockieren den/die Absender*in oder ignorieren sie.

Angesichts der hohen Alltagsrelevanz dieser Probleme zeigt die vertiefende Untersuchung einerseits die Bedeutung eines kompetenten Umgangs mit problematischen Inhalten im Netz sowie die Förderung von Medienkompetenz bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Andererseits aber auch die Verantwortung der Anbieter, Meldestellen und altersgerechte Kommunikationsplattformen einzurichten und selbst aktiv gegen Fake News und Hassrede vorzugehen und deren Verbreitung einzudämmen.

Die Durchführung der Studie erfolgte durch den Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR). Alle Ausgaben der JIM-Studie von 1998 bis 2021 sind als PDF auf www.mpfs.de abrufbar.