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Pressemitteilung

Digitale Kompetenzen: Mehrheit mangelt es an Verständnis für technische Zusammenhänge

Die deutsche Bevölkerung bekommt im Umgang mit der Digitalisierung nur eine Note 3. Zwar sind Basiskompetenzen weit verbreitet, komplexere Aufgaben und Verständnis digitaler Funktionsweisen beherrschen jedoch häufig nur sehr digitalaffine Gruppen. Das ergibt die Studie „Digital Skills Gap“ der Initiative D21.
19.08.2021

Die deutsche Bevölkerung geht sehr unterschiedlich kompetent mit den Anforderungen der Digitalisierung im Alltag und Berufsleben um. Dabei zeigen sich vor allem zwei Spaltungen. Erstens: Der Großteil der BürgerInnen hat hohe Anwendungskompetenzen und nutzt digitale Anwendungen und Geräte souverän, aber nur wenige verstehen die dahinterliegenden Mechanismen und Zusammenhänge. Zweitens zeigen sich starke Unterschiede entlang Alter, Bildung und Art der Berufstätigkeit (Bürojob oder andere Tätigkeit). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Digital Skills Gap“ der Initiative D21 – eine Sonderauswertung des D21-Digital-Index 2020/2021, durchgeführt von der ITM Beratungsgesellschaft mbH. Der D21-Digital-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Zur Studie „Digital Skills Gap“

Nur Minderheit kann sich bei Problemen helfen und selbst Wissen aneignen

Die Studie identifiziert den größten Handlungsbedarf im Bereich der Problemlösekompetenz. Die Fähigkeit, sich die digitale Welt durch Verständnis und selbstständiges Dazulernen zu erschließen ist unterschiedlich verteilt und hängt oft mit der Bildung zusammen. Über 60 Prozent der Menschen mit hoher Bildung können sich selbst Wissen aneignen, 54 Prozent trauen sich auch zu, anderen bei Problemen zu helfen. Im Vergleich: Mittlere Bildung: 36 bzw. 33 Prozent, niedrige Bildung: 24 bzw. 19 Prozent. Digital weniger Kompetente sehen zudem seltener die Notwendigkeit, ihre digitalen Kompetenzen auszubauen. 

Digitale Angebote für die Bedürfnisse des Alltags zu kennen und zu nutzen ist neben der Bildung eine Frage des Alters: Die Generationen bis 59 trauen sich das mehrheitlich zu, vor allem die ganz Jungen haben hier hohe Werte (14-19 Jahre: 69 Prozent). Bei den über 70-Jährigen gibt nur noch ein Viertel an, entsprechende Angebote zu kennen und zu nutzen. Das kann in der Folge dazu führen, dass gerade diejenigen, die in bestimmten Lebenssituationen besonders von digitalen Angeboten profitieren könnten, weil sie z.B. in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, diese seltener kennen und nutzen.

Dazu Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21: „Die wichtigsten Kompetenzen, um sich selbstbestimmt in der digitalisierten Welt zu bewegen, sind die eigenständige Aneignung von Wissen und der Transfer von vorhandenem Wissen auf neue Anforderungen. Dafür braucht die Breite der Gesellschaft ein stärkeres Verständnis für die Zusammenhänge der Digitalisierung. Lebenslanges Lernen muss zur Routine und Gewohnheit werden. Dies können Politik und Wirtschaft aktiv befördern, indem sie konkrete Ziele formulieren, darauf ausgerichtete Bildungsangebote deutlich ausbauen – ob schulisch, berufsbegleitend oder für Gruppen wie SeniorInnen – und die Fortschritte kontinuierlich messen.“

Informieren ‚ja‘ – Quelle hinterfragen ‚nein‘: Kompetenzen gehen in vielen Gruppen selten über Basiswissen hinaus

87 Prozent der InternetnutzerInnen in Deutschland können nach eigenen Angaben Recherchen im Internet durchführen und damit gezielt nach Informationen suchen, diese Kompetenz ist auch in den höheren Altersgruppen noch breit vorhanden (70+ Jahre: 74 Prozent). Gefragt nach der Nutzung verschiedener Quellen bei der Recherche zeigen sich sichtbare Rückgänge, insgesamt beherrschen dies noch 74 Prozent, bei weniger digitalaffinen Gruppen jedoch teilweise deutlich weniger (70+ Jahre: 43 Prozent). Bei der Bewertung von Quellen, um seriöse von unseriösen Nachrichten unterscheiden zu können, fühlen sich insgesamt 61 Prozent sicher (70+ Jahre: 47 Prozent), noch stärker zeigt sich hier aber ein Effekt nach Bildung (hohe Bildung: 75 Prozent, niedrige Bildung: 39 Prozent).

Hohe Anwendungskompetenzen herrschen auch in der Kommunikation: 93 Prozent können über das Smartphone Nachrichten per Messenger/SMS empfangen oder senden, ebenso viele können Fotos machen und versenden. Videokonferenzen hingegen können mit 41 Prozent deutlich weniger einrichten, hierbei stechen vor allem Menschen mit Bürotätigkeiten positiv heraus, die derlei Dienste auch im beruflichen Alltag und zur Zusammenarbeit nutzen. Der Kompetenzbereich „Gestalten und Erzeugen“ digitaler Inhalte zeigt auf, dass die Fähigkeit zum Posten in sozialen Medien vor allem unter Jüngeren verbreitet ist, der reflektierte Umgang jedoch weit weniger, so hat beispielsweise nur eine Minderheit ein Verständnis für urheberrechtlich geschützte Inhalte. Eine Programmiersprache beherrscht gerade einmal 14 Prozent bzw. ein Fünftel der Menschen mit Bürojobs und – in diesem Fall unabhängig vom Alter – vor allem die höher Gebildeten.

„Digitale Kompetenzen sind deutlich ungleich verteilt: Während sich die jüngeren und gut Gebildeten sehr viel häufiger kompetent in der digitalen Welt bewegen, brauchen vor allem Ältere und Menschen mit niedriger Bildung Unterstützung und drohen andernfalls abgehängt zu werden. Sie brauchen Angebote, die möglichst lebensnah, kostenfrei und vor Ort eine niederschwellige Starthilfe in die digitale Welt bieten. Gesellschaftliche Teilhabe heißt heute längst auch digitale Teilhabe“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21.

Über die Studie

„Digital Skills Gap“: Die Studie untersucht die digitalen Kompetenzen der deutschen Online-Bevölkerung ab 14 Jahren und wurde durchgeführt von der ITM Beratungsgesellschaft mbH. Die der Auswertung zugrunde gelegten Daten stammen aus dem D21-Digital-Index 2020/2021 vom Juli 2020, Befragungsmethode CAPI mit n=2.038. Es handelt sich um Selbsteinschätzungen der Befragten anhand einer 5er-Skala. Die Kompetenzen sind angelehnt an das „European Digital Competence Framework“ der EU-Kommission mit den Bereichen „Information und Datenkompetenz“, „Kommunikation und Kollaboration“, „Gestalten und Erzeugen digitaler Inhalte“, „Sicherheit und Wohlbefinden“ sowie „Problemlösekompetenz“.