Sicher im Netz unterwegs: Tipps und Portale für Silver Surfer

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Sicher im Netz unterwegs: Tipps und Portale für Silver Surfer

Sicher im Netz unterwegs: Tipps und Portale für Silver Surfer

Viele ältere Menschen trauen sich die Nutzung des Internets nicht zu. Das muss nicht sein.

Zwei Drittel der Senior*innen in Deutschland nutzen das Internet, ab 80 Jahren sinkt die Nutzungswahrscheinlichkeit aber schon auf ein Drittel. Das muss nicht sein: Tipps und Anlaufstellen für sicheres Surfen können Sorgen und Unsicherheiten abbauen.

Silver Surfer - diesen charmanten Begriff haben sich findige Marketingmenschen zum Ende des letzten Jahrtausends ausgedacht, um jene Bevölkerungsgruppe zu benennen, die auch im höheren Alter noch das Internet nutzt. 25 Jahre und eine Pandemie später hat das Netz jeden Bereich unseres Alltags durchdrungen. 67,2 Prozent der Deutschen über 60 nutzten 2023 das Internet. Das sind so hohe Zahlen wie nie zuvor. Aber: Es bedeutet eben auch, dass 32,8 Prozent dieser Menschen das Internet meiden.

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    Die Angst vor dem Internet
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    Der Erstkontakt: Aufbruch in neue Welten
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    Empfehlenswerte Webseiten für Silver Surfer
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    Warum mehr Silver Surfer das Internet benutzen sollten

Die Angst vor dem Internet

Das hat einen Hauptgrund: Viele ältere Menschen trauen sich die Nutzung des Internets nicht zu. Haben Angst, etwas falsch zu machen, auf Betrügereien hereinzufallen oder persönliche Daten preiszugeben. Eine vom Software-Entwickler Avast 2022 durchgeführte Studie brachte ans Tageslicht, dass die Befragten das Internet entweder nicht brauchten (59 Prozent), es zu kompliziert finden (42 Prozent) oder die digitalen Gefahren eben als zu groß erachten (36 Prozent).

„Vor allem die Altersgruppe der über 60-Jährigen tut sich schwer, und das gilt laut unserer Umfrage für Männer und Frauen gleichermaßen“, so Jaya Baloo von Avast. „Die Herausforderungen beginnen bei der Auswahl der richtigen Geräte und Software. Die richtige Konfiguration der Datenschutzeinstellungen, die Einrichtung von Geräten und eines WLAN-Netzwerks sind für viele unüberwindbare Hürden, ebenso wie die laufende Wartung.

Der Erstkontakt: Aufbruch in neue Welten

Um Schwellen abzubauen und Ängste aus der Welt zu schaffen gibt es unter anderem das Senioren-Medienmentoren-Programm des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ). Das Programm kann dazu beitragen, dass ältere Menschen sicher und selbstbestimmt Computer, Smartphones sowie das Internet nutzen und von den vielen Anwendungsmöglichkeiten profitieren können. Dafür bildet das LMZ interessierte Senior*innen zu Senioren-Medienmentorinnen und -mentoren aus.  Zudem sind Informationsveranstaltungen und Workshops für ältere Mediennutzer*innen im Angebot.

Auch die Medienanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) tut was für die immer zahlreicher werdenden Silver Surfer. Hinter dem Netzwerk Seniorinnen und Senioren im Internet stecken verschiedene Organisationen und Institutionen, die ältere Mitbürger*innen bei den ersten Schritten im Netz begleiten und auch darüber hinaus unterstützen. Ziel des Netzwerks: Man möchte die Aktivitäten zur Stärkung der Medienkompetenz Älterer bündeln. „Aus diesem Netzwerk heraus wollen die Partnerinnen und Partner erfolgreiche Projekte und Beratungsstrukturen stärken, der Öffentlichkeit bekannt machen und auf die Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft hinweisen“, heißt es. Eine übersichtliche Broschüre bündelt die Angebote und Webseiten, die sich speziell an Senior*innen richten. Klar, Medienbildung ist nicht nur was für Schulklassen. Sondern für alle Gesellschaftsschichten.

Empfehlenswerte Webseiten für Silver Surfer

Wenn dann endlich losgesurft werden kann, stellt sich schnell heraus: Angebote für Silver Surfer sind zahlreiche vorhanden. Auch hier gilt es deswegen natürlich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine prima erste Anlaufstelle ist www.silver-tipps.de von der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest, eine Webseite voller hilfreicher Tipps rund um den digitalen Alltag und moderne Medien. Seminare zur Nutzung von Tablets oder Smartphones, regelmäßige Stammtische oder hilfreiche Artikel zu Themen wie SIM-Karten wieder entsperren, Schutz vor dem Enkeltrick, Smartphones entmüllen oder generelle Surf-Empfehlungen bieten geballte Medienkompetenz für Alle.

Und nur weil TikTok und Instagram vielleicht nichts für viele Menschen sind, heißt das noch lange nicht, dass man auf eine Internet-Community verzichten muss! Zu den beliebtesten Medien zählt seit vielen Jahren www.seniorenportal.de, eine einfach und übersichtlich strukturierte Seite, die Silver Surfer schon seit 1998 vernetzt. Der Pionier in Sachen soziale Medien für ältere User*innen verbindet ein Forum mit Chat-Funktion, Blog, Spielen und Vorträgen. Auch reale Treffen können über das Portal ausgemacht werden.

Ein ähnliches Portal ist www.feierabend.de. Ähnlich verständlich aufgebaut, vernetzt man seit über 25 Jahren Best Ager*innen. Freundschaften, Partnerschaften oder einfach nur jemand, um über das gemeinsame Hobby zu plaudern – alles ist möglich. Die optionale Aufteilung in Regionen erlaubt zudem, sich mit anderen Surfenden aus der eigenen Umgebung zu treffen – ein hilfreicher Schritt gegen Einsamkeit und Langeweile.

Auch informativ: Auf www.bestagerinfos.de produziert eine engagierte Online-Redaktion Artikel, Hinweise und Informationen für alle aktiven Silver Surfer, und das aus allen Lebensbereichen: Von Städteguides speziell für Senior*innen bis Altersarmut, von Hörgeräten bis zu finanziellen Tipps im Alter.

Warum mehr Silver Surfer das Internet benutzen sollten

Die Zahlen der SIM-Studie 2021 (Senior* innen, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigen, dass Mediennutzer*innen ab 60 Jahren ihre eigene Medienkompetenz als ziemlich ausbaufähig einstufen: Fast die Hälfte der Befragten benotet die eigene Digitalkompetenz mit den Schulnoten 4 (ausreichend), 5 (mangelhaft) oder 6 (schlecht). Nur etwa 20 Prozent schätzen die eigene Medienkompetenz als sehr gut oder gut ein.

Dabei liegen die Vorteile einer hohen Medienkompetenz auf der Hand: Ein sicherer Umgang mit digitalen Medien, Webseiten und sozialen Medien kann bei Alltagsorganisation, Kommunikation und Unterhaltung helfen – und ein großes Stück Selbstermächtigung (zurück)geben. Fake News werden eher als solche erkannt, wenn man Erfahrung im Netz hat. Außerdem schützt ein geschulter Blick vor Scams, Betrügereien, Spam-Mails oder Phishing-Versuchen. Denn Internetkriminalität ist ein echtes Problem, das man nicht unterschätzen darf: Laut Statista fielen 2022 21 Millionen Menschen in Deutschland auf Betrügereien im Netz herein. Und viele davon eben deswegen, weil sie unerfahren oder schlecht geschult waren. Dagegen lässt sich aber schnell, leicht und vor allem nachhaltig etwas tun. Also nichts wie losgesurft.

Stand: März 2024

Weiterführende Informationen

Über den Autor

Björn Springorum ist freier Journalist und Schriftsteller. Er schreibt u.a. für die Stuttgarter Zeitung, den Tagesspiegel und konzipiert Comic-Geschichten für “Die drei ???". Als Schriftsteller hat er bislang fünf Kinder- und Jugendbücher verfasst. Zuletzt erschienen: “Kinder des Windes" (2020), Thienemann Verlag. Er lebt in Stuttgart.