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Google mach meine Hausaufgaben! Machen digitale Medien schlauer oder nicht?

Google mach meine Hausaufgaben! Machen digitale Medien schlauer oder nicht?

Digitale Hilfsmittel Was müssen Heranwachsende und Eltern bei den Hausaufgaben beachten?

Wikipedia, Alexa, Google – für Heranwachsende war es noch nie einfacher auf schulische Fragestellungen eine Antwort zu finden. Wie Hausaufgaben mit dem Smartphone erledigt werden können und ob das wirklich sinnvoll ist, soll dieser Artikel beleuchten.

Welche Faktoren fördern den Nutzen von Hausaufgaben?

Bevor man die Frage stellt, ob digitale Mittel bei der Erledigung von Hausaufgaben zielführend sind, muss die Frage gestellt werden, wie sich generell Hausaufgaben auf den Lernerfolg auswirken. Unter einigen Bildungsforschern wird diskutiert, wie sehr Heranwachsende überhaupt von Hausaufgaben profitieren. Die häufig zitierte Hattie-Meta-Studie, die untersucht, welche Faktoren für den Lernerfolg entscheidend sind, bescheinigt den Hausaufgaben nur einen mittelmäßigen Effekt. Damit Hausaufgaben für Schülerinnen und Schüler gewinnbringend sind, müssen sie laut Bildungsforschern erst bestimmte Faktoren erfüllen. Sie sollten

  • zeitlich realistisch sein,
  • selbstständig umsetzbar sein,
  • in kleinen Dosen (aber regelmäßig!) vergeben werden,
  • und benötigen dringend ein Feedback!

Wie können Eltern ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen?

Forscher beschäftigten sich mit der Frage, wie sich elterliche Unterstützung bei den Hausaufgaben auf den Lernerfolg auswirkt. Dabei kam heraus, dass Eltern die Situation sogar verschlimmbessern, wenn sie bei der Hausaufgaben-Betreuung

  • negative Emotionen verbreiten,
  • ungeduldig sind, sich zu früh einmischen,
  • ihre Kinder von der Lösungsfindung ablenken,
  • falsche Erwartungen an den Entwicklungsstand ihres Kindes haben,
  • ihren Kindern keinen Raum lassen, selbst auf die Lösung zu kommen,
  • stattdessen die Lösung „rausplaudern“
  • und ihre Kinder dadurch entmutigen.

Damit die Hausaufgaben-Betreuung überhaupt Früchte bringt, sollten Eltern

  • emotional Anteil nehmen,
  • ihre Kinder emotional unterstützen,
  • ihren Kindern eine zeitliche und räumliche Struktur (geeignete Lernumgebung und klare Hausaufgaben-Zeiten) geben,
  • und die selbstständige Erledigung der Hausaufgaben fördern.

Wie nutzen Heranwachsende digitale Hilfsmittel bei den Hausaufgaben?

Laut JIM Studie 2020 nutzen nur 11 Prozent aller Jugendlichen das Internet zur gezielten Informationssuche – vergleichsweise wenig im Vergleich zu den 34 Prozent, welche das Internet zu Unterhaltungszwecken, wie dem Schauen von Videos oder dem Musikhören nutzen. Durch diese Daten wird der Anschein erweckt, dass sich nur eine Minderheit der Heranwachsenden online zu schulischen Zwecken informiert. Um diese Zahlen richtig einzuordnen, muss beachtet werden, dass YouTube als Videoplattform neben Google als zweitgrößte Suchmaschine der Welt genutzt wird und rund zwei Drittel der Jugendlichen YouTube als ihr liebstes Internetangebot bezeichnen. Naheliegend scheint daher der Befund, dass bereits jeder fünfte Jugendliche auf YouTube Erklärvideos oder Tutorials für die Schule oder die Ausbildung anschaut. Ein deutlich positiveres Bild zeigt der „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann Stiftung von 2017: Videoangebote im Internet nutzt bereits ein Drittel der befragten Schülerschaft für die Erledigung der Hausaufgaben und sogar über zwei Drittel „in der Freizeit zum Lernen“. Ungefähr die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler dieser Umfrage nutzen „Chatdienste“ für die Hausaufgaben und für das Lernen in der Freizeit. Mithilfe von WhatsApp und Co. werden hierbei nicht nur die Hausaufgabenstellungen und -lösungen ausgetauscht, sondern auch Hausaufgaben in Gruppenarbeit organisiert. Dass digitale Angebote mit zunehmenden Alter bzw. mit Beginn einer Ausbildung verstärkt zum Lernen eingesetzt werden, zeigt der Bildungsbericht 2020. Bereits rund 80 Prozent aller Auszubildenden nutzen Videoangebote und Wikis zum Lernen in der Freizeit.

Welche Hürden bestehen beim Einsatz von digitalen Werkzeugen bei den Hausaufgaben?

Angesichts der Corona-Pandemie wurde in der JIM-Studie von 2020 untersucht, wie sich das Fernlernen auf die Schülerinnen und Schüler ausgewirkt hat. Als einer der gravierendsten Befunde gilt der Umstand, dass sich mehr als zwei Drittel „schlecht für das Lernen außerhalb der schulischen Normalität motivieren“ können. Dieser Befund deckt sich mit der vorangegangenen Aussage, dass Heranwachsende auf emotionale Unterstützung beim Lernen angewiesen sind. Diese kommt leider bei rein digitalen Lern-Settings zu kurz.

Neben der Motivation scheint auch die Ablenkung ein Riesenproblem zu sein. Lernexperten raten für die effektive Hausaufgaben-Erledigung einen möglichst ablenkungsfreien Arbeitsplatz. So sollten Computer oder Smartphones wahlweise weggelegt oder abgeschaltet werden. Schaffen es Heranwachsende beim Recherchieren auf Wikipedia und YouTube nicht abgelenkt zu werden? – z. B. von eingehenden Nachrichten oder Videos, die nichts mit der Hausaufgabe zu tun haben? Oder sogar von einer Runde Fortnite auf dem Smartphone? Insbesondere gegen die sogenannte Prokrastination bei Hausaufgaben wird empfohlen, Handys aus der Reichweite zu platzieren!

Welche Tipps gibt es für das Lernen mit YouTube und Co?

Damit das Lernen mit Hilfsmitteln, wie Wikipedia oder YouTube, nicht frustriert und die Lernkurve verbessert, müssen eine Reihe von Faktoren beachtet werden.  

  • Digitale Ablenkungen minimieren
    Nicht relevanten Apps und Benachrichtigungen sollten ausgeschaltet und gesperrt werden. Wer z. B. auf YouTube ein Erklärvideo anschauen möchte, sollte währenddessen das Smartphone in den „Nicht Stören“-Modus versetzen oder alternativ die Benachrichtigungen von Instagram, TikTok und WhatsApp ausschalten. Idealerweise bleibt das Smartphone ganz ausgeschaltet und die Hausaufgaben werden mithilfe eines Gerätes erledigt, auf dem weder Spiele noch Social Media-Anwendungen installiert sind. Auch Adblocker für Browser können das Ablenkungspotenzial verringern.

  • Mehrere Quellen nutzen und die Herkunft prüfen
    Wer mithilfe von Google nach Lösungen sucht, bekommt häufig sogenannte „Snippets“ angezeigt, die direkt auf Google eine Antwort anbieten sollen. Problematisch sind hierbei oftmals sehr verdichtete Aussagen, welche notwendige Hintergrundinformationen und Zusammenhänge nicht vermitteln können. Idealerweise sollten mehrere Quellen bzw. Onlineseiten für die Recherche verwendet werden. Durch das Vergleichen mehrerer Texte kommt man leichter falschen Informationen auf die Schliche. Anhand des Impressums kann festgestellt werden, wer hinter den Texten oder Videos steckt bzw. ob die Autorenschaft verschleiert werden soll.

  • Mitschreiben, pausieren, zusammenfassen
    Wer Erklärvideos passiv konsumiert, läuft Gefahr, sich nur die Hälfte oder die weniger wichtigen Details zu merken. Durch das Mitschreiben und Pausieren von Videos wird der Wissenstransfer deutlich verbessert. Wer am Ende eines Videos versucht, die Inhalte mündlich oder schriftlich zusammenzufassen, merkt sofort, ob die Inhalte verstanden wurden oder noch Wissenslücken bestehen. Notfalls muss das Video wiederholt werden oder nach einem didaktisch besseren Video gesucht werden.
     
  • Do-it-yourself
    Wenn praktische Kenntnisse in Videos vermittelt werden, müssen die einzelnen Schritte unbedingt in die Tat umgesetzt werden, damit das Wissen verinnerlicht wird. Das gilt genauso für Kochrezepte, wie für Mathe-Rechenwege, wie auch für Sprach-Tutorials.
     
  • Keine Plagiate
    Wer vorschnell die Copy-&-Paste-Funktion verwendet, wird auffliegen. Mittlerweile hat sich unter Lehrkräften herumgesprochen, wie man Plagiate ausfindig macht. Wer Wikipedia-Texte hingegen umformulieren kann, hat sich deutlich intensiver mit den Inhalten auseinandergesetzt!
     
  • Arbeitszeit begrenzen
    Gerade bei der Arbeit am Tablet oder PC vergeht die Zeit wie im Flug. Um zu vermeiden, dass die Mediennutzungszeit unterschätzt wird, kann ein Timer eingestellt werden, der z.B. alle 30 Minuten klingelt. Der Timer kann auch verhindern, dass man abschweift, sich mit Nebenschauplätzen aufhält oder zu selten Pausen macht. Letztere verbessern die Lernleistung, da das Lesen am Bildschirm deutlich anstrengender ist, als auf Papier.
     
  • Körperlicher Ausgleich
    Die Arbeit am Bildschirm ist anstrengender, als man meint. Augen, Nacken, Wirbelsäule werden stark beansprucht. Genauso wie in der Schule benötigt der Körper deshalb regelmäßige Pausen und Ausgleich. Zwischen einzelnen Hausaufgaben lohnt es sich bei schönem Wetter draußen zu kicken oder bei schlechtem Wetter ein kurzer Work-Out.

Das Landesmedienzentrum bietet mit seiner Medienpädagogischen Beratungsstelle Eltern und Lehrkräften Rat und Unterstützung beim Lernen mit digitalen Medien. Die Beratungsstelle ist montags, dienstags, mittwochs, donnerstags von 8 bis 17 Uhr, sowie freitags von 8 bis 15 Uhr erreichbar: unter 0711 490 963 – 21.

Die Landesregierung setzt sich mit der Initiative „Kindermedienland Baden-Württemberg“ unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür ein, die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land zu stärken. Mit dem „Kindermedienland Baden-Württemberg“ werden zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land gebündelt, vernetzt und durch feste Unterstützungsangebote ergänzt. So wird eine breite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Medienbildung und -erziehung geschaffen. Träger und Medienpartner der Initiative sind die Landesanstalt für Kommunikation (LFK), der Südwestrundfunk (SWR), das Landesmedienzentrum (LMZ), die MFG Baden-Württemberg, die Aktion Jugendschutz (ajs) und der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV).

Medienpädagogische Beratungsstelle

Imagebild Medienpädagogische Beratungsstelle

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