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Big Data | Was Eltern wissen sollten

Big Data und Datenschutz

Big Data Als Big Data bezeichnet man alle Datenmengen die in keine Excel-Tabelle mehr passen.

Seit einiger Zeit sind Daten sehr viel mehr als nur binäre Informationen. Inzwischen werden auch Meinungen, Likes, Standorte, Online-Wunschzettel und Einkaufslisten, das soziale Umfeld wie Familie und Freunde, der Beziehungsstatus, der in einem Sozialen Netzwerk angegeben wird, Stimmungen oder politische Einschätzungen, die man dort preisgibt, eigene Fotos und Videos und vieles mehr zu auswertbaren Daten. Hinzu kommen Verbindungsdaten des Smartphones samt gespeicherten Kontakten, Web-Protokolle aus einem Browser oder einer App, finanzielle Transaktionen, Sensordaten aus dem Auto, von Kleidungsstücken oder dem „intelligenten“ Kühlschrank und Gesundheitsdaten von Fitness-Apps oder Armbändern, die zum Beispiel den Blutdruck, die Herzfrequenz, die Körpertemperatur etc. überwachen.

Wir alle tragen zu einem steten Datenstrom bei. Denn es sammeln nicht nur Geheimdienste Daten in großem Stil, sondern auch Telekommunikations-Unternehmen (Verbindungsdaten etc.) und Behörden wie das Finanzamt, aber eben auch Firmen wie Google, Hersteller von Fernsehgeräten und Autos, Kreditkarten-Anbieter, Versicherungen und Banken, Online-Versandhäuser, Computerspiele-Hersteller und viele Dienstleistungsunternehmen.

Daten über Daten: Terabyte, Exabyte, Zettabyte

Die digitalen Datenspuren, die wir hinterlassen, werden so vernetzt, zusammengefasst und ausgewertet, dass ein detailliertes Profil einer Person entsteht, das Einordnung und Bewertung und vor allem Prognosen für künftiges Verhalten erlaubt. Im Zeitalter von Big Data sprechen wir von kaum vorstellbaren Datenmengen, die vielfach in Zettabyte bemessen werden. Fachleute gehen davon aus, dass das weltweite Datenvolumen im Jahr 2020 über 100 Zettabyte erreicht haben wird, was einer Zahl mit 23 Nullen – also 100 000 000 000 000 000 000 000 Bytes – entspricht. (Bitkom (Hrsg.): Big Data im Praxiseinsatz – Szenarien, Beispiele, Effekte. Berlin 2012, S. 12)

Um die riesige Datenmenge ein wenig zu veranschaulichen, stelle man sich eine gängige externe 1-Tera-Byte-Festplatte vor. Fünf Milliarden solcher Festplatten voll mit Daten wurden seit Beginn der Zeitrechnung bis zum Jahr 2003 produziert. Dazu zählen u.a. sämtliche Werke der Literatur und Kunst aus tausenden Jahren Menschheitsgeschichte. Würde man diese 5 Milliarden Festplatten aufeinander stapeln, entspräche das einem Gebäude zehnmal so groß wie die Stuttgarter Stadtbibliothek. Laut Google-Chef Eric Smith wird heutzutage die gleiche Menge an Daten – umgerechnet ca. 4,7 Exabyte – weltweit in nicht einmal zwei Tagen produziert.

Was ist Big Data?

Die schiere Menge ist es allerdings nicht alleine, was „Big Data“ ausmacht. Big Data bezeichnet vielmehr die Analyse von sehr großen Datenmengen (Volume), die in ungeheurer Vielfalt uneinheitlich und unstrukturiert vorliegen, das Ganze in rasender Geschwindigkeit (Velocity). Big Data funktioniert nur mit komplexen Technologien und Methoden (v.a. Algorithmen) und hat – positiv formuliert - zum Ziel alle möglichen Prozesse effektiver und effizienter zu machen und letztlich Verbrauchern, Unternehmen und Behörden bei Entscheidungsfindungen aller Art zu helfen.

Kritiker wenden freilich ein, dass damit jeder Einzelne zum vollkommen gläsernen Menschen wird, der von Sensoren und Algorithmen überwacht, kontrolliert und in seinen Entscheidungen manipuliert und im schlimmsten Fall aufgrund von datengestützten Verhaltensanalysen ausgegrenzt und diskriminiert wird.

Der Mensch als Daten-Objekt – Segen oder Fluch?

Big Data soll Unternehmen dabei helfen, auf Grundlage von Datenanalyse schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen. Mithilfe der ausgewerteten Daten können Produkte und Dienstleistungen besser auf die Kundenwünsche abgestimmt werden. Langfristig sollen Unternehmen dadurch neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln können. Viele Manager in Deutschland sind aber skeptisch und schätzen die Gefahr von Datenmissbrauch höher ein als die Chance, besser auf Kundenwünsche eingehen zu können.

Durch das gezielte Zusammenführen und Auswerten von Daten steigt das Risiko, dass wir „Datenlieferanten“ benachteiligt, ausgegrenzt und sogar diskriminiert werden. Wer ein Facebook-Profil genauer unter die Lupe nimmt, kann heutzutage ohne weiteres Rückschlüsse auf eine real existierende Person ziehen und diese in eine bestimmte „Schublade“ stecken. Das Vorhandensein von auswertbaren personenbezogenen Daten beschneidet also langfristig die Privatheit, die freie Meinungsäußerung und die kritische Meinungsbildung.

Big Data stellt die moderne Gesellschaft vor eine Vielzahl ungelöster ethischer und politischer Fragen: Wem gehören die Daten? Kann ein „Datensubjekt“ die Einsicht oder Löschung seiner Daten verlangen? Besteht ein Recht, „vergessen zu werden“?

Europäischer Gerichtshof: Datenweitergabe verletzt Grundrecht

Das Problembewusstsein ist inzwischen auch in europäischen Gremien angekommen. So hat zum Beispiel der Europäische Gerichtshof die Regelung (so genanntes Safe Harbour-Abkommen) zum Austausch von Daten zwischen den USA und der EU für ungültig erklärt. Der Gerichtshof erläuterte, dass eine Regelung, die es den Behörden gestattet, generell auf den Inhalt elektronischer Kommunikation zuzugreifen, den Wesensgehalt des Grundrechts auf Achtung des Privatlebens verletzt. Weil EU-Bürger gegen die Weiternutzung ihrer Daten in den USA nicht gerichtlich Einspruch erheben könnten, sei zudem "der Wesensgehalt des Grundrechts auf wirksamen gerichtlichen Rechtsschutz“ verletzt.

Und die Europäische Kommission plant für ihre neue Datenschutzverordnung ein „Recht auf Vergessen“ für alle Bürgerinnen und Bürger. Das heißt jeder soll verlangen können, dass seine Daten komplett gelöscht werden.

Konsequenzen: Datensparsamkeit und politsches Engagement

Für jeden von uns bedeuten diese Entwicklungen vor allem eines: einen noch konsequenteren und sparsameren Umgang mit den eigenen Daten und Dateien (wie etwa Fotos) und den Angaben zu Vorlieben, politischer  oder geschlechtlicher Ausrichtung, Beziehungsstatus etc. Datensparsamkeit gilt für Verbraucherinnen und Verbraucher als oberstes Gebot mit dem Ziel, zumindest teilweise die Kontrolle über seine Daten zu behalten. Es lohnt sich, die Nutzung jeder App und jedes Sozialen Netzwerkes grundlegend in Frage zu stellen. Wo möglich, sollte man Auskunft über die Verwendung von Daten verlangen. Technische Entwicklungen, die einen massiven Eingriff in unsere Privatsphäre bedeuten, können langfristig aber nur durch politisches Engagement beeinflusst werden. Die Debatte um Risiken und Nebenwirkungen von Big Data muss deswegen kontinuierlich weiter geführt werden.

Tipps für Eltern

Soziale Netzwerke und Foren: Besonders bei Sozialen Netzwerken ist Datensparsamkeit oberstes Gebot. Bei der Angabe von sensiblen Daten wie dem Wohnort oder dem aktuellen Arbeitsplatz ist Zurückhaltung geboten. Auch beim Hochladen von Fotos gilt: weniger ist mehr. Bei Facebook und Co ist es ratsam, sich mit einer Zweit-E-Mail-Adresse, die nicht für persönliche Kommunikation genutzt wird, zu registrieren.

Schutz vor Tracking: Online-Werbefirmen und Suchmaschinen erhalten mithilfe Ihres Browsers unzählige Informationen über Ihr Verhalten und Ihre Vorlieben. Um das sogenannte „Tracken“ (Nachverfolgen) einzudämmen, empfiehlt es sich, spezielle Add-Ons (z. B. „Ghostery“ oder „Better Privacy“) für den Privatsphärenschutz und die Sicherheit zu installieren.

Suchmaschinen: Wer nicht seine ganzen persönlichen Vorlieben dem Suchmaschinen-Anbieter Google preisgeben möchte, sollte zu einer alternativen Suchmaschine greifen. Dazu muss die Standard-Suchmaschine des Browsers geändert werden. Alternative Suchmaschinen heißen „DuckDuckGo“, „MetaGer“ oder „Unbubble“.

Apps: Beim Installieren sollte man zunächst auf negative Bewertungen im App-Store achten. Vorsicht gilt auch bei verdächtigen Berechtigungen (z. B. Zugriff auf die Adressdaten von Kontakten. Standortdaten z.B. bei der Taschenlampen-App). Wurden die Apps bereits installiert, kann man sie im Nachhinein z. B. mit dem „AppBrain Ad Detector“ überprüfen.

Messenger-Apps: Die Apps der sozialen Netzwerke wie WhatsApp, Facebook und Instagram gehören zu den meistinstallierten Apps. Doch gerade sie stehen in der Kritik, besonders unsensibel mit unseren Daten umzugehen. Bei WhatsApp wurde bekannt, dass es unter anderem die kompletten Kontakt-Daten ausspioniert und in einer neueren Version Telefonate mitlauschte. Weiterhin ist es möglich, mit wenig IT-Aufwand, den Online-Status, Profilbilder, Status-Nachrichten und die Datenschutzeinstellungen von jedem beliebigen WhatsApp-Nutzer anzuzeigen. Deswegen sollte man sich seiner Daten zuliebe von WhatsApp trennen und auf einen sicheren Handy-Messenger umsteigen. Beispiele hierfür sind Hoccer und Threema.

Google & Co.: Standardmäßig ist auf allen Android-Geräten das Google-Repertoire vorinstalliert: Maps, Google Music, Google+, Chrome, Kalendar, Google-Tastatur, Google-Suche, etc. Wer sich aus der „Umklammerung“ von Google befreien möchte, kann dies in mehreren Schritten tun. Zuerst lassen sich unter Google-Einstellungen („Persönliche Daten & Datenschutz“ -> „Aktivitätseinstellugen“) der Suchverlauf sperren, der Standort-Zugriff abschalten („Standort“), die automatische Übertragung von Fotos an „Google+“ ausschalten („Google+“ -> „Automatische Sicherung“) und die interessenbezogenen Anzeigen deaktivieren („Anzeigen“). Unter den Konten-Einstellungen können unter „Google“ alle Synchronisierungen entfernt werden, die nicht gebraucht werden (z. B. Kalender, Kontakte, Personendetail, etc.). Als letzten Schritt kann man unter den App-Einstellungen die Google-Apps deaktivieren, auf die man verzichten möchte (z. B. Google-Suche, Gmail, Maps, Play Books, etc.). Wer wissen will, was Google über einen weiß, sollte sich das „Google Dashboard“ genauer anschauen.

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