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Apps Neun von zehn Jugendlichen laden ab und zu Apps herunter.

Einleitung

Apps gehören zu jedem Smartphone dazu, wie die Kleider zur Garderobe. Für jede Situation gibt es die passende App. Aufzuzählen welche Funktionen man mit Apps erledigen kann, ist ein Lied ohne Ende: Fotos teilen, Reisen buchen, mit der Taschenlampe leuchten, Englisch-Vokabeln pauken, Autoblitzer anzeigen, etc. In Google Play kursieren derzeit über eine Million verschiedene Apps, wovon über achthunderttausend kostenlos sind. Wie sollen nun Eltern und Fachkräfte mit dem unüberschaubaren Angebot umgehen? Meist sind es die Jugendlichen selber, die entscheiden, welche App auf dem Smartphone landet und welche nicht.

Der Bravo Trendmonitor 2013 ergab, dass neun von zehn Jugendlichen regelmäßig bzw. ab und zu Apps herunterladen. Am beliebtesten sind Spiele-Apps oder Apps für Soziale Netzwerke, z.B. Facebook oder Whatsapp. Den Eltern wäre es bestimmt lieber wenn pädagogisch wertvolle Apps auf den Geräten landen. So wird das ein oder andere Tablet in der Hoffnung angeschafft, dass der Nachwuchs damit Englisch lernt und sich besser auf seine berufliche Zukunft vorbereitet. Eltern die nach wertvollen Apps Ausschau halten, werden auf folgenden Seiten fündig:

www.bestekinderapps.de

www.iphonekinderapps.de

www.datenbank-apps-fuer-kinder.de

www.klick-tipps.net/kinderapps

Familien-Tablet oder Privat-Smartphone?

Dass Eltern sich wünschen, dass ausschließlich gute Apps auf den Geräten landen, ist mit dem Wunsch vergleichbar, dass zuhause nur pädagogisch Wertvolles im Fernsehen läuft. Genauso wie bei einem TV-Gerät das im Kinderzimmer steht, passiert auch bei einem Smartphone Vieles ohne Wissen und Zustimmung der Eltern. Man kann in jeder Familie von zwei grundlegenden Situationen ausgehen: Die Eltern der Familie besitzen ein Smartphone bzw. ein Tablet, welches zeitweise an die Kinder ausgeliehen wird. Oder die Kinder der Familie besitzen schon ein eigenes Smartphone bzw. ein eigenes Tablet.

 

Aktuelle Zahlen zeigen, dass umso älter die Kinder sind, desto häufiger verfügen sie über ein eigenes Gerät.  Knapp ein Drittel aller 6- bis 9-jährigen besitzt ein eigenes Handy bzw. Smartphone. Bei den 12- bis 13-jahrigen sind über 80 Prozent der Kinder im Besitz eines Smartphones. Ab 14 Jahren sind es sogar neun von zehn Jugendlichen, die ein Smartphone ihr Eigen nennen. (Quelle: Bravo Trendmonitor 2014).

Studie sagt: Eltern zu leichtgläubig

Doch was passiert wirklich, wenn Jugendliche ein Smartphone haben? Aktuelle Studien zeigen, dass Eltern zu leichtgläubig mit den Geräten ihrer Sprösslinge umgehen. In einer McAfee-Studie gaben 71 Prozent der befragten Eltern an, dass sie darauf vertrauen, dass ihre Kinder keine für sie unangemessenen Inhalte anschauen. In derselben Studie gab die Hälfte der Jugendlichen an, bereits Internetseiten und Videos aufgerufen zu haben, mit denen ihre Eltern nicht einverstanden wären. Über die Hälfte der befragten Jugendlichen schützt sein Smartphone mit einem Passwort vor dem Zugriff anderer und der Eltern.

Riskanter als die Apps selbst ist ihre leichtfertige Nutzung

Viele Apps sind aus Sicht des Datenschutzes schon höchst problematisch, denn sie „melden“ Kontaktdaten, Verbindungsdaten, Geo-Daten und häufig auch die ganze Kommunikation über Nachrichten an den Anbieter. Darüber hinaus wird derzeit mehr und mehr darüber bekannt, was alles mit den Apps angestellt wird. Wurde noch vor weniger Zeit eindrücklich vor Cybermobbing auf Facebook gewarnt, sind es jetzt die Messenger-Apps um die sich Erziehende und Pädagogen Sorgen machen. Kettenbriefe mit Horrornachrichten oder Selbsmordaufforderungen werden von Jugendlichen regelmäßig per Whatsapp-Messenger weitergeleitet. Dass Whatsapp-Gruppen zu Hassgruppen mutieren, auf denen Einzelne fertig gemacht werden, hört man immer häufiger.

Neben dem Whatsapp-Messenger sind andere Messenger für ihre Risiken bekannt. Vor dem weit verbreiteten Kik-Messenger warnt Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger ausdrücklich, da er ihn für Sexualtäter besonders attraktiv halte. Ein Blick auf die Google-Play-Seite des Kik-Messenger zeigt, dass dieser hauptsächlich von Teenagern benutzt wird. Die Erfahrungsberichte zum Kik-Messenger bestehen hauptsächlich aus anonymen Kontaktanzeigen, an und von Minderjährigen:

Eindeutige "Erfahrungsberichte" beim Kik-Messenger.

Technische Lösung: informieren und konfigurieren

Besorgte Eltern können nur zum Teil verhindern, dass bestimmte Apps auf den Geräten der Kinder landen. Dafür sollten sie darüber informiert sein, welche Apps riskant sind. Internetseiten, wie www.klicksafe.de oder www.kindermedienland-bw.de klären darüber auf. Sind die Eltern die Hauptnutzer des Gerätes, dann haben sie am ehesten die Möglichkeit es kindergerecht zu konfigurieren: die Installation und die Nutzung bestimmter Apps kann unterbunden werden oder der Internetzugang kann gesperrt werden. Anleitungen dazu finden Sie für iOS- oder Android-Geräte. Technische Hürden sind aber kein Garant gegen jugendgefährdende Apps. Mit ein paar Kniffen ist ein "App-Blocker" gelöscht oder der Internetzugang wieder hergestellt.

Pädagogische Maßnahmen: Vertrauen und Selbstbewusstsein stärken

Mit technischen Maßnahmen riskantes Verhalten zu unterbinden, wirkt sich nur kurzfristig auf das Verhalten des Kindes oder Jugendlichen aus. Schnell lernt jemand mit anderen Geräten auf Verbotenes oder Problematisches zu gelangen, die Sperren auszuhebeln oder nur noch außerhalb des Elternhauses "online" zu gehen. Eltern sind aber nicht die Hände gebunden, da der größte medienpädagogische Schutz in einer vertrauensvollen Eltern-Kind-Beziehung liegt. Das Selbstbewusstsein eines Kindes zu stärken, ist medienpädagogisch bei weitem vielversprechender als technische Schutzmaßnahmen. Kinder die trotz Gruppenzwang eine eigene Position vertreten können, sind eher in der Lage einen hässlichen Kettenbrief zu löschen und ihn nicht weiterzuleiten – und mit den Eltern darüber zu sprechen. Selbstbewusste Kinder schreiten auch bei Online-Beleidigungen ein und haben den Mut, einen nervenden Whatsapp-Kontakt zu sperren. Ein Kind, das ein verlässliches, vertrautes und vertrauensvolles Umfeld hat, schafft es auch mal länger bei Facebook offline zu bleiben oder das spannende Smartphone-Game beiseite zu legen.

Eltern: Vorbild und Hauptansprechpartner in Sachen "Smartphone"

Kinder sollen deshalb wissen, dass sie mit der Unterstützung ihrer Eltern rechnen können. Eltern müssen auch in Medienthemen der erste Ansprechpartner bleiben, noch vor den Freunden oder Lehrern. Bei Ausrutschern der Kinder sind Vorhaltungen wie "Ich hab dir doch gesagt, dass …" unangebracht. Eltern können stattdessen Verständnis zeigen und ihr Kind ermutigen, die schwierige Situation beim nächsten Mal besser zu meistern.

Das Vorbild der Eltern ist entscheidend für das Verhalten der Kinder. Schaffen Eltern es vom Abendessen bis zum nächsten Morgen das Smartphone aus der Hand zu legen? Der britische Autor und IT-Experte Tony Anscombe schlägt vor, bei gemeinsamen Mahlzeiten auf die Geräte zu verzichten und stattdessen alle Smartphones in einem Korb zu deponieren. Gemeinsam Witze und Geschichten erzählen oder mal zu diskutieren, kann viel anregender sein als die neuesten Facebook-Kommentare. Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen.

Workshops für Eltern und Fachkräfte

Wer das Thema "Apps" im Unterricht oder Elternabenden thematisieren möchte, erhält bei der medienpädagogischen Beratungsstelle des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg tatkräftige Unterstützung: 

Tel: 0711- 2850-777, E-Mail: beratungsstelle@lmz-bw.de

Für Lehrkräfte und Erziehende, die sich dem Thema annehmen wollen, sind folgende Publikationen empfehlenswert: 

Smart mobil?! – Ein Elternratgeber zu Handys, Apps und mobilen Netzen

Infoset Medienkompetenz: Handys, Smartphones, Apps

Facebook-App

Flyer "Apps to go"

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