Baden-Württemberg Kindermedienland

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Pressemitteilung

An 101 Schulen im Land geht die Medienerziehung neue Wege

14.07.2011

Kinder und Jugendliche bewegen sich heutzutage wie selbstverständlich im Netz: Sie sind die Generation der „Digital Natives“. Statt wie ihre Eltern nur mit Radio, Fernsehen und Zeitung, wachsen sie mit den Chancen und Möglichkeiten auf, die Computer und Internet ihnen in der Entwicklung bieten – aber auch mit den Risiken. Denn das Netz verleitet leicht dazu, Dinge zu tun, vor denen man im wahren Leben zurückschrecken würde: private Daten und Fotos in soziale Netzwerke einstellen oder sich in Chats mit Wildfremden austauschen.
 
Mit dem Projekt „101 Schulen“ will die baden-württembergische Landesregierung Kinder und Jugendliche stark machen für das Leben mit Neuen Medien – und dabei Erwachsene einbeziehen, wie sie den richtigen Umgang mit Medien vermitteln und den Nachwuchs helfend und steuernd begleiten können. „Dieser generationenübergreifende Ansatz ist ein zentrales Element des Projekts ‚101 Schulen‘ des Kindermedienlandes Baden-Württemberg“, erklärte die Ministerin im Staatsministerium, Silke Krebs, anlässlich des Projektstarts.

Das medienpädagogische Projekt findet im Rahmen der Initiative Kindermedienland statt, bei der das Staatsministerium, das Landesinstitut für Kommunikation (LfK), der SWR, das Landesmedienzentrum (LMZ) und die Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg zusammenarbeiten. Die Beteiligten wollen Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land vernetzen, um die Aufmerksamkeit für das Thema Medienbildung und -erziehung zu steigern.
 
Die Nachfrage ist in den zurückliegenden Jahren enorm gestiegen. „Daran ist sicher auch die große Facebook-Welle schuld“, sagt Ingrid Bounin, die beim Landesmedienzentrum das Referat für medienpädagogische Angebote leitet. Das soziale Netzwerk hat unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in dieser Zeit seinen Siegeszug angetreten – und noch wissen viele nicht, welche Daten sie durch leichtfertiges Einstellen mit der ganzen Welt teilen.
 

Auch Grundschulen können sich bewerben

Zwei Besonderheiten machen das Anfang Juli gestartete Projekt „101 Schulen“ einmalig: Zum einen richtet es sich an Schulen im ganzen Land, zum anderen ist es ein generationenübergreifendes Angebot ohne Altersbeschränkung. „Das ist wichtig, denn man kann in der Medienerziehung nicht früh genug ansetzen. Grundschulen sind genauso eingeladen“, sagt Ingrid Bounin. Die Hauptzielgruppen sind Eltern und Jugendliche, bei einigen Angeboten sind auch die Lehrer dabei. In Workshops und an runden Tischen sollen die Teilnehmer ihre Ideen für den Umgang mit Internet und Smartphone sowie auch ihre Probleme damit mit den anderen teilen. „Unsere Angebote sind auf Kooperation und Kommunikation ausgerichtet“, so Ingrid Bounin.
 
So sollen Eltern in den Workshops beispielsweise aufgeklärt werden, was der Nachwuchs mit seinem internetfähigen Mobiltelefon machen kann. „Für die Eltern ist es ein Telefon, mit dem man auch SMS schreiben kann. Was aber alles dranhängt, ahnen sie oft nicht.“ Weitere anschauliche Beispiele: „Wir führen Facebook-Profile vor und lassen die Eltern auch mal ein Computerspiel spielen – denn nicht immer erfahren sie von ihren Kindern, um was es dabei geht.“ Die Kinder und Jugendlichen sind ihren Eltern bei der Bedienung weit voraus, haben aber von den Konsequenzen, die das Surfen im Netz haben kann – von Mobbing über teure Klingelton- oder Musik-Abos bis hin zu sexueller Belästigung durch Fremde – oft keine Ahnung.
 

Viele Schüler haben Erfahrung mit Cybermobbing

Diese Erfahrung macht auch die Referentin Franziska Hahn immer wieder. In ihrem Vortrag beim Eröffnungsabend des Projekts 101 Schulen stellte sie mit wenigen Klicks dar, was ein Schüler im sozialen Netzwerk über sich, seine Klasse und sogar seine Lehrer verrät. Die Eltern staunten nicht schlecht, wie hoch die Zahl der von Cybermobbing betroffenen Kinder ist. „In fast jeder Schule gibt es hierzu Vorfälle“, sagt Franziska Hahn. Oft würden die Schüler das jedoch den Eltern verschweigen, aus Angst, dann das Internet verboten zu bekommen. „Das wäre falsch“, so Hahns eindrücklicher Appell.
 
Referenten wie die Mitarbeiterin des Landesmedienzentrums sind die Unterstützung, die im Rahmen des Projekts „101 Schulen“ in die Klassenzimmer geschickt wird. Die Schulen können Wünsche äußern, welche Themen und Form der Arbeit sie mit dem Landesmedienzentrum zusammen abdecken wollen.
 

Die Nachfrage nach den Angeboten ist groß

Die MFG unterstützt das Projekt als Geschäftsstelle. Die Innovationsagentur des Landes für IT und Medienverbreitet Informationsmaterial und repräsentiert die Projektpartner damit nach außen, zum Beispiel auf Messen. Außerdem stellt sie den Kontakt her, wenn Anfragen kommen. „Wir haben so viele Anfragen, dass jegliche Erwartungen übertroffen worden sind“, soRobert Gehring von der MFG bei der Auftaktveranstaltung. Die Nachfrage von mehr als 160 Schulen gebe der Landesregierung als Initiatorin, dem Landesmedienzentrum und der MFG als Partner des Projekts „101 Schulen“ Recht: Der Bedarf ist da.
 
„Das Besondere am Ansatz des Projekts 101 Schulen ist, dass wir landesweit aktiv sind“, erklärt Robert Gehring – das sei ein einzigartiger Ansatz, den im Land sonst niemand biete. Wichtig ist seiner Meinung nach auch, dass nicht Vorträge und Referate, sondern das praktische Arbeiten mit den Medien von Kindern und Erwachsenen gemeinsam im Zentrum stehe. „Der praktische und niederschwellige Ansatz hilft, so viele Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer wie möglich zu erreichen.“

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