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Interview mit Sebastian Schreiber

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Sicherheit „Alle der jetzt bekannten Verfahren können leicht umgangen werden“, sagt der IT-Sicherheitsexperte Sebastian Schreiber aus Tübingen am Verbrauchertag 2015 zum Thema „Sicherheit im Internet“.

"Hände weg vom Schulnetzwerk!"

IT-Sicherheitsexperte Sebastian Schreiber demonstrierte auf dem Verbrauchertag Baden-Württemberg 2015, wie schnell sich Hacker Zugriff auf unsere persönlichen Daten verschaffen können. Bei einem sogenannten "Live-Hacking" zeigte er, wie man SMS und E-Mails fälscht, eine Digitalkamera angreift oder einen Computer trotz Virenscanner mit einem Trojaner ausspioniert. Wir wollten von Sebastian Schreiber, dem Geschäftsführer der SySS GmbH, wissen, worauf Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Eltern achten sollten.

Im Beitrag der Landesschau wurde bekannt, dass Sie bereits mit 17 Jahren ein Hacker waren. Welche Tipps würden Sie jugendlichen Computer-Begeisterten mitgeben, die sich in den Grauzonen des Netzes bewegen?

Meine Empfehlung lautet, keine strafbaren Handlungen durchzuführen, d. h. keine Software zu klauen, keine fremden Facebook-Accounts angreifen etc. Da gibt es wirklich empfindliche Strafen, an denen man nachher lang zu knabbern hat. Ein sauberes Verhalten ist eine Sache, die ich empfehle. Um die eigenen Daten entsprechend zu schützen sollte man in der Tat datensparsam sein und sich genau überlegen, was man bei Facebook reinstellt. Mobbing, Drohungen oder fremde Fotos verwenden, die nicht ganz so schmeichelhaft sind, kann in der Tat erhebliche Konsequenzen haben. Das sind alles echte Straftaten. Da muss man aufpassen!

Aber gerade bei Jugendlichen herrscht ja bisweilen ein Entdeckergeist, irgendwo einzudringen, z. B. ins Schulnetzwerk …

Hände weg vom Schulnetzwerk! Das ist zwar spannend, den Lehrern ein Schnippchen zu schlagen. Aber aufgepasst: das Strafgesetzbuch gilt auch an der Schule. D. h. ein Angriff auf die Schulinfrastruktur ist genauso illegal wie der Angriff auf ein Unternehmen.

Sie testen mit ihrer Firma die IT-Sicherheitsvorkehrungen an Unternehmen. Welche Anforderungen müsste an die IT-Sicherheit von Schulen gestellt werden? Wie schätzen Sie die Realität ein?

Schulnetzwerke müssen gegen den Angriff von innen geschützt werden. Das ist allgemein eine äußerst schwierige Disziplin und deswegen kommt es sooft vor, das Schüler teilweise mit geringstem Aufwand in die Schulinfrastruktur eindringen. Man müsste da eine richtig ordentliche, harte Separation machen. Diese wäre zu teuer, denn das müsste professionell gemanagt werden. Das ist nicht mit den heute üblichen Schulstandards kompatibel. Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Jahren auch nur ein Schulnetzwerk vorfinden werden, in das meine Mitarbeiter nicht reinkommen. Die Situation ist momentan eher desolat. Es ist möglicherweise gar nicht gewünscht, da eine ordentliche Sicherheit zu etablieren.

Das Kindermedienland BW hat sich zur Aufgabe gemacht Heranwachsende, Eltern und Fachkräfte in der Erziehung über die Chancen und Risiken der digitalen Welt aufzuklären. Wenn sie eine Schulstunde oder einen Elternabend Zeit hätten, was wären für Sie die relevanten Themen?

Ich werde gerade nächste Woche an einer Schulveranstaltung auftreten und sehr ähnliche Dinge zeigen, wie ich beim Live Hacking auf dem Verbrauchertag gezeigt habe.

Ich möchte Spaß an der IT-Security wecken!

Ich möchte sensibilisieren, dass es da entsprechende Gefahren gibt. Aber ich möchte auch Schüler mahnen, dass sie beim Herumexperimentieren sensibel sind und dies auf die eigenen Rechner einschränken sollten.

Sebastian Schreiber beim "Live-Hacking"-Vortrag auf dem Verbrauchertag 2015.

Sie haben ja im Vortrag auf dem Verbrauchertag geäußert, dass an Schulen ab der Mittelstufe das Thema „Kryptografie“ vermittelt werden sollte …

Genau! Nach meiner Auffassung sollte bereits in der Mittelstufe das Thema „Verschlüsselung“ gelehrt werden. Es sollte zum Standard werden, dass E-Mails ordentlich verschlüsselt werden. Sonst sind sie nicht in der Lage, mit den erheblichen Gefährdungen, mit denen sie in der digitalen Welt ausgesetzt sind, richtig umzugehen.

Das Thema Medien wird ja ein starker Bestandteil der kommenden Bildungspläne. Welche Themen müssten neben Kryptografie noch Bestandteil der Bildungspläne werden?

Medienkompetenz! Im Zuge des Internets ist es immer wichtiger, dass man die Dinge kritisch beäugt, die einem aufgetischt werden. Auch ein sensibler Umgang mit sozialen Medien ist bedeutend. Dann wäre auch die „Härtung“ der eigenen Rechner ein gutes Thema. Diese Dinge sollten den Kindern und Jugendlichen sehr früh vermittelt werden, damit sie hinterher im „Internet-Alltag“ sicher zurechtkommen. 

Eine besorgte Mutter äußerte sich auf einem Elternabend kürzlich, dass sie sich angesichts der Gefahren im Internet „wie im Haifischbecken“ vorkomme. Welchen Rat geben Sie den Privatnutzern mit geringer IT-Kenntnis, die zwar auf die Nutzung der Geräte angewiesen sind, sich aber überfordert vorkommen?

Ich behaupte, dass in so einem Fall eine Mutter dafür sorgen muss, dass sie in dem Bereich bewandert wird. Sie muss eine eigene Medienkompetenz aufbauen. Sie muss sich dafür interessieren und sich die Sachen gemeinsam mit den Jugendlichen anschauen. Nur so kann man damit zurechtkommen.

Eltern dürfen nicht wegschauen, sondern sollten Fragen stellen. Man kann niemand engagieren, der das einem abnimmt.

Es bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als sich der Materie zu öffnen, selber nachzulesen und sich dafür zu interessieren.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg bietet für Schulen die sogenannte pädagogische Musterlösung – kurz paedML – an. Diese Lösung verfügt neben einer klassischen Firewall auch über Virenschutz und ein sog. Client-Management-System, mit Hilfe dessen man u. a. auch die Systeme nach innen absichern kann. Die Nutzung von Wechseldatenträgern kann damit individuell unterbunden werden. Bei Interesse wenden Sie sich an:

Klein, Peter
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