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Alexa, pass auf die Kinder auf! Sprachassistenten im Familienalltag? Was Eltern beachten sollten.

Alexa, pass auf die Kinder auf! Warum dies keine gute Idee ist und Eltern es trotzdem sagen werden.

Sprachassistenten Sie wollen sich einen Sprachassistenten für den Haushalt zulegen und auch Kinder-Skills einsetzen? Hier ein paar Anregungen. (Photo:  Andres Urena / Unsplash)

Sprachassistenten, wie Amazon Echo oder Google Home finden zunehmend Einsatz in Familien. Fortschrittsliebende Eltern überlegen sich, wie auch ihre Kinder vom Smart-Home, dem intelligenten und vernetzten Haushalt, profitieren können. Pädagogen und Psychologen kritisieren hingegen, wenn Kinder mit Sprachassistenten allein gelassen werden. Dieser Artikel erklärt Ihnen warum.

Laut BITKOM-Umfrage nutzen über ein Drittel der Internetuserinnen und -user zumindest gelegentlich einen Sprachassistenten. Ungefähr 10 Prozent davon nutzen einen sogenannten Smartspeaker, wie den Amazon Echo oder Google Home. Die überwiegende Mehrheit spielt mithilfe der vernetzen Spracherkennung Musik ab oder steuert Geräte im Haushalt, z. B. die Beleuchtung, die Heizung oder den Haushaltsroboter. Recht häufig werden auch Verkehrsnachrichten oder die Abfahrtszeiten vom Nahverkehr abgerufen. Doch nicht nur für Erwachsene sind die digitalen Helferlein interessant. Mittlerweile werden Sprachassistenten speziell für Kids hergestellt und die Sprachassistenten so erweitert, dass sie spezielle Inhalte für Kinder anbieten.

Warum werden Eltern zukünftig Alexa und Co als „Familienmitglieder“ bezeichnen?

Das YouTube-Video „Alexa, erziehe meine Kinder“ veranschaulicht, wie Eltern einen digitalen Assistenten an Abendritualen wie dem Zähneputzen beteiligen – wohl um die Kinder mit der Technik vertraut zu machen und aufgrund der Zeitersparnis. Aufgrund der hohen psychischen und körperlichen Anforderungen an Eltern ist es nur verständlich, wenn diese sich nach Alternativen umschauen, mit denen sie den Familienalltag vereinfachen und optimieren können. Smartphones und Sprachassistenten an der Bildung und Erziehung zu beteiligen ist daher sehr naheliegend, weil sie so praktisch sind. Natürlich können Eltern damit Zeit einsparen, weil z. B. Alexa den Kindern Geschichten vorliest oder sie zum Zähneputzen anleiten. Jedoch sollten Eltern die gewonnene Zeit sinnvoll einsetzen. Zwei Beispiele hierzu: Wenn Eltern die durch die digitalen Helfer gewonnene Zeit für gemeinsames Basteln, Kicken oder Zocken investieren, haben sie den gewünschten erzieherischen „Win-Win-Effekt“ bei der Bindungsfähigkeit der Kinder. Wird die gewonnene Zeit aber für das Checken von Mails, Online-Shopping oder Überstunden eingesetzt, dann wird dies langfristig einen negativen Effekt haben. 

Welche Funktionen bieten Sprachassistenten speziell für Kinder an?

Seit 2018 gibt es Sprachassistenten auf dem Markt, die sich speziell an Kinder richten. Diese Kinder-Smartspeaker können verhindern, dass Kinder versehentlich ungeeignete Inhalte, wie z. B. sexistische Hip-Hop-Tracks abrufen oder Einkäufe tätigen. Mit einem Timer können Eltern festlegen, wie lange ihr Nachwuchs pro Tag den digitalen Lautsprecher nutzen darf. Was die Kinder ihrem Sprachassistenten mitteilen, können Eltern im Nachgang abfragen. 

Mit speziellen Funktionen sollen Kinder u. a. eigenständig Musik, Podcasts oder Hörbücher starten, einen Wecker stellen, sowie kindgerechte Skills und Games nutzen. Mithilfe eines „Skills“ für Kinder kann der Sprachassistent die Kinder beim Zähneputzen anleiten oder Tiergeräusche abspielen, wenn die Kinder danach fragen. 

Welche Risiken haben Sprachassistenten für Kinder?

2019 hat sich der wissenschaftliche Dienst des Bundestages mit Sprachassistenten auseinandergesetzt. Besonders kritisiert wurde, dass Sprachassistenten ungewollt persönliche Informationen von Minderjährigen preisgeben und Inhalte darstellen, die für Minderjährige nicht geeignet sind. Auch Medienpädagoginnen und -pädagogen weisen auf den Datenhunger der Geräte hin, da Eltern nicht kontrollieren können, was die Kinder alles ihrem digitalen Assistenten erzählen und was mit den verarbeiteten Aufnahmen angestellt wird. Darüber hinaus befürchten Kritiker, dass Kinder beim Umgang mit Alexa verlernen, „Bitte“ oder „Danke“ zu sagen und einen falschen Umgangston oder sogar „Befehlston“ erlernen.

Wie werden Sprachassistenten pädagogisch beurteilt?

Die frühkindliche Phase, ab welcher die Sprachassistenten häufig eingesetzt werden, hat einen besonderen Stellenwert bei der Stärkung der Bindungsfähigkeit. Diese Fähigkeit erlernt das Kind in allen Bereichen seines Lebens „nebenbei“: im Umgang mit Eltern, Geschwistern oder Freunden, bei Mahlzeiten, beim Spielen und beim Wissenserwerb. Leider spielen beim Wissenserwerb und beim Spielen der Einsatz von Smartphones, Tablets und Sprachassistenten eine zunehmende Rolle in den Familien. Jedoch zahlen die genannten Hilfsmittel durch ihre autarke Funktionalität am wenigsten auf die Bindungsfähigkeit der Kinder ein. 

Anhand des vorher erwähnten Tiergeräusche-Skill, lässt sich die pädagogische Kritik am Einsatz von Alexa und Co. sehr gut festmachen: Eine Mutter, die ihrem Kind abends vor dem Zu-Bett-Gehen eine Geschichte vorliest, dabei lustige Tiergeräusche nachmacht und anschließend einen Kuss gibt, investiert gleichzeitig und „nebenbei“ in die Bindungsfähigkeit ihres Kindes. Dadurch fördert die Mutter damit auch das allgemeine zwischenmenschliche Vertrauen des Kindes. Ein Kind, welches mithilfe des Alexa-Skills die Tiergeräusche kennengelernt hat, hat hingegen den Wissenserwerb vollzogen, die notwendige Bindungsfähigkeit in der gleichen Zeit nicht mit erlernt. Dennoch hat es für Eltern den Anschein, mithilfe der Geräte eine Zeitersparnis zu erreichen und gleichzeitig den Wissensschatz ihrer Kinder zu erweitern. Dabei wäre der Umkehrschluss richtig: Eltern, die nicht die Wissensvermittlung mit der Eltern-Kind-Bindung kombinieren, wie beim gemeinsamen Vorlesen, verlieren wertvolle Zeit, welche für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ausschlaggebend ist. 

Sollen Eltern lieber auf Sprachassistenten verzichten?

Keineswegs. Eltern können einen natürlichen Umgang mit Smartphones und Sprachassistenten vermitteln, in dem sie diese zeitlich kontrolliert einsetzen und Kinder dabei begleiten. Die Kinder hingegen mit einem Sprachassistenten allein zu lassen, damit sie „Wissen erlernen“, wäre weniger sinnvoll. Es wäre ein Trugschluss eine autarke, technik-orientierte Wissensvermittlung mit einer persönlich zugewandten Pädagogik gleichzusetzen. Gerade zukunftsorientierte Eltern, die ihre Kinder für die digitale Welt vorbereiten wollen, übersehen schnell, dass der Umgang mit Technik nur eine Kompetenz von mehreren „21 century skills“ ist. Den Kindern „positives Sozialverhalten, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, ihre Mediennutzung selbstständig zu regulieren“ zu vermitteln, ist für deren Zukunftsfähigkeit genauso wichtig. Um diese Eigenschaften heranzubilden benötigen Kinder als Grundlage eine gesunde Bindungsfähigkeit und Vertrauen zu Mitmenschen, welche insbesondere in der frühkindlichen Phase geprägt wird. Psychologinnen und Psychologen sprechen sogar von einem „frühkindlichen Bindungstrauma“, wenn Kinder zu wenig zwischenmenschliche Nähe und Bindung in den ersten zwei bis drei Lebensjahren erfahren und darunter als Erwachsene noch leiden. Genau vor diesen Symptomen warnen Kinderärzte und -psychologen, die über den Zusammenhang von elterlicher Smartphone-Nutzung und Beziehungsstörungen bei Kindern forschen.

Wie können Eltern verantwortungsvoll mit Sprachassistenten umgehen?

Für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sprachassistenten sollten Eltern folgende Punkte beachten:

  1. Einstiegsalter überdenken: Ab welchem Alter ist mein Kind in der Lage reale Zuwendung und Nähe von virtueller Unterstützung im Alltag zu unterscheiden?
  2. Kauffunktion sowie Inhalte für Erwachsene deaktivieren.
  3. Standort festlegen: idealerweise in der Nähe der Eltern, z. B. im Wohnzimmer und niemals im Kinderzimmer.
  4. Eigentum klarmachen: Kinder müssen wissen, dass der Sprachassistenten den Eltern gehört und diese festlegen, wann Alexa aktiviert ist und wann nicht.
  5. Nutzungszeiten festlegen und umsetzen: Auf den Sprachassistenten sollte bei wichtigen zwischenmenschlichen Alltagsritualen, wie z.B. bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder beim Zu-Bett-Bringen der Kinder verzichtet werden.
  6. Sich zusammen mit Kindern über die Inhalte auseinandersetzen: z. B. ihnen klarmachen, dass der Furz-Generator kurzfristig lustig sein kann, aber auf Dauer nervt.
  7. Bewusst den Sprachassistenten zu festgelegten Zeiten ausschalten und einschalten, nicht nebenbei laufen lassen.

Fragen zum Thema? Die Beratungsstelle hilft weiter!

Das Landesmedienzentrum bietet mit seiner Medienpädagogischen Beratungsstelle Eltern und Lehrkräften Rat und Unterstützung zum pädagogischen Jugendmedienschutz. Sie ist montags, dienstags, mittwochs, donnerstags von 8 bis 17 Uhr, sowie freitags von 8 bis 15 Uhr erreichbar: unter 0711 490 963 – 21.

Die Landesregierung setzt sich mit der Initiative „Kindermedienland Baden-Württemberg“ unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür ein, die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Land zu stärken. Mit dem „Kindermedienland Baden-Württemberg“ werden zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land gebündelt, vernetzt und durch feste Unterstützungsangebote ergänzt. So wird eine breite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Medienbildung und -erziehung geschaffen. Träger und Medienpartner der Initiative sind die Landesanstalt für Kommunikation (LFK), der Südwestrundfunk (SWR), das Landesmedienzentrum (LMZ), die MFG Baden-Württemberg, die Aktion Jugendschutz (ajs) und der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV). 

Medienpädagogische Beratungsstelle

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